Welt : Concorde: Grünes Licht für Supervögel

Sabine Heimgärtner

Der Stolz französischer und britischer Flugzeugingenieure ist nicht länger dazu verurteilt, ein tristes Dasein auf dem Boden zu verbringen. 14 Monate nach der Absturzkatastrophe bei Paris hat die Flugsicherheitsbehörde damit begonnen, neue Fluggenehmigungen für die zwölf Concorde-Maschinen zu erteilen - fünf gehören der Air France, sieben der British Airways. Weil die Sicherheitsexperten ihre Aufgabe nach dem schrecklichen Unglück besonders genau nehmen, wird jedem einzelnen der Überschallflugzeuge eine separate Starterlaubnis erteilt. Daher kann der kommerzielle Betrieb nicht sofort mit allen Maschinen aufgenommen werden. Die "Fox Bravo"-Concorde von Air France ist die erste, die das begehrte Zertifikat nach umfangreichen technischen Verbesserungen jetzt erhalten hat.

Am 25. Juli um 16 Uhr 42 findet die Legende der erfolgreichsten und berühmtesten Flugzeugflotte der Welt nach 25 unfallfreien Jahren ein abruptes Ende. Zwei Minuten zuvor war die Concorde mit der Flugnummer AF 4590 auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle in Richtung New York gestartet. Sekunden später bemerkt die Piloten-Crew, dass die Überschallmaschine nicht die notwendige Starthöhe erreicht, der Tower am Pariser Flughafen meldet aufgeregt, dass aus dem linken Tragflügel Flammen schlagen. Nach der Auswertung des Flugschreibers wird man wenige Tage später erfahren, dass die Piloten verzweifelt eine Notlandung auf dem nahegelegenen Sportflughafen Le Bourget versuchten. Doch es gibt keine Chance: Begleitet von einem über hundert Meter langen Feuerschweif stürzt die Concorde nahe dem Pariser Vorort Gonesse über einem kleinen Hotel ab. Den Rettungskräften bietet sich ein Bild des Grauens: 113 Menschen sind ums Leben gekommen, 100 Passagiere, davon 96 Deutsche, neun Besatzungsmitglieder und vier Mitarbeiter des Hotels. Die Deutschen waren auf Urlaubstour, in New York wollten sie zu einer Kreuzfahrt in die Karibik starten.

Sicher war bei der akribischen Suche nach der Unfallursache zunächst nur, dass Trümmerteile eines geplatzten Reifens einen Tragflächentank zerschmettert und damit eine Kettenreaktion ausgelöst haben. Rund 60 Liter Treibstoff pro Sekunde waren aus dem aufgerissenen Tank ausgelaufen, hatten sich aufgrund der Beschleunigungshitze an der Maschine sofort entzündet und zusätzlich dafür gesorgt, dass das noch intakte Triebwerk nicht mehr ausreichend mit Flugbenzin versorgt wurde. Die Ermittler gingen zunächst davon aus, dass ein auf der Startbahn gefundenes 43 Zentimeter langes Metallstück Auslöser für die Katastrophe war, ein Teil, das eine wenige Minuten vorher gestartete DC-10 Maschine der amerikanischen Continental Airlines offenbar verloren hatte - Spekulationen, ganz sicher sind sich die Experten über die Unfallursache immer noch nicht.

Nach der über einjährigen Zwangspause für die zwölf Supervögel, die den Gesellschaften Verluste in jeweils dreistelliger Millionenhöhe brachte, sind nun alle Maschinen auf dem technisch neuesten Stand. In Umrüstungssmaßnahmen investierte alleine British Airways umgerechnet 100 Millionen Mark. Die Innenseiten der Tragflächen jeder Concorde sind jetzt mit dicken Kevlar-Schichten beschichtet, ein Material, das zur Herstellung schusssicherer Westen verwendet wird. So soll ausgeschlossen werden, dass Trümmerteile die Kerosin-Tanks zerschlagen können. Außerdem wurden neue, robustere Reifen für die schnellen Jets entwickelt und die Verkabelung im unteren Rumpfbereich der Concorde verstärkt. Dennoch, die verheerende Katastrophe vom Juli 2000 wird immer ein Makel in der Concorde-Geschichte bleiben, auch wenn das berühmte Überschallflugzeug noch einmal überlebt hat.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben