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Dänemark : Ein Tüftler, sein U-Boot und eine verschwundene Journalistin

Dänen-Krimi um ein gesunkenes U-Boot: Dessen Besitzer soll eine schwedische Journalistin umgebracht haben. Die Polizei geht davon aus, dass er das Boot absichtlich versenkt hat.

Stefan Weger
Eine nicht identifizierte Frau steht am Freitag im Hafen Kopenhagens auf dem U-Boot.
Eine nicht identifizierte Frau steht am Freitag im Hafen Kopenhagens auf dem U-Boot.Foto: AFP

Die Geschichte birgt den Stoff für einen skandinavischen Krimi: Eine junge schwedische Journalistin begleitet einen dänischen Tüftler auf dessen selbstgebautem U-Boot. Plötzlich verliert sich die Spur der attraktiven Frau. Das Schiff sinkt. Eine Leiche gibt es nicht. Der Mann wird verhaftet. Ihm wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Seit Samstag sitzt er in Untersuchungshaft.

Abgespielt hat sich dies in den vergangenen Tagen in Dänemark. Die Journalistin Kim Wall, die sich einem Bericht des schwedischen Boulevardblattes "Aftonbladet" zufolge an Bord befand, weil sie eine Reportage über Madsen machen wollte, war am Donnerstagabend zuletzt gesehen worden, als sie sich mit dem Erfinder Peter Madsen im Hafen von Kopenhagen gegen 19 Uhr auf der "UC3 Nautilus" einschiffte.

Als die die 30-jährige preisgekrönte Journalistin, die bereits für mehrere internationale Medien arbeitete – unter anderem für die "New York Times" und den britischen "Guardian" – nicht wie angekündigt nach Hause kam, meldete ihr Freund sie gegen 2.30 Uhr als vermisst.

Polizei: U-Boot wurde absichtlich versenkt

Die dänischen Streitkräfte starteten eine groß angelegte Suche mit Schiffen und Helikoptern nach dem U-Boot. Es wurde schließlich am Freitagmorgen gegen 11 Uhr in der Bucht von Køge südlich der dänischen Hauptstadt entdeckt. Wie "Aftonbladet" schreibt, sollen Augenzeugen berichtet haben, dass der 46-jährige Madsen auf dem U-Boot stand und einem Rettungshubschrauber zuwinkte. Dann soll das Schiff plötzlich sehr schnell gesunken sein, Madsen sprang ins Wasser, wurde von einem zivilen Boot aufgenommen und an Land gebracht.

In einer ersten Aussage sprach Madsen von einem technischen Problem, das zum Sinken des U-Bots geführt habe. "Ich war auf einer Probefahrt und habe ein paar Dinge an dem U-Boot getestet. Dann ist etwas mit einem Ballasttank schiefgegangen", wird er von "Aftonbladet" zitiert. Die Journalistin will er am Donnerstagabend gegen 22.30 Uhr nach einer Fahrt mit dem U-Boot auf einer Insel im Kopenhagener Hafengebiet abgesetzt haben. Mittlerweile hat Madsen seine Aussage gegenüber der Polizei geändert, wie der öffentlich-rechtliche Fernsehsender SVT berichtet. Zu Details wollte die Polizei sich demnach nicht äußern. Jedoch gehe sie nun davon aus, dass Madsen das U-Boot mit Absicht versenkt hat. Laut dem schwedischen "Svenska Dagbladet" akzeptiert Madsen zwar die 28-tägige Untersuchungshaft, weißt jedoch jede Schuld an einem Verbrechen von sich. Auch sein Anwalt bewahrte demnach Stillschweigen über Madsens nachträgliche Aussage zu den tatsächlichen Ereignissen im U-Boot.

Peter Madsen (rechts) weist die Vorwürfe zurück.
Peter Madsen (rechts) weist die Vorwürfe zurück.Foto: AFP

Taucher entdeckten das Wrack des U-Bootes am Freitagmorgen in einer Tiefe von sieben Metern. Da es nicht stabil lag, konnten sie sich nicht hineinwagen, daher wurde es in den Hafen von Kopenhagen geschleppt, wo es in der Nacht zu Sonntag aus dem Wasser gehievt wurde. "Wir betrachten das U-Boot als einen möglichen Tatort" , sagte Jens Møller Jensen von der Polizei in Kopenhagen. Die technische Untersuchung des U-Bootes war nach Angaben der Polizei in Kopenhagen am Montagnachmittag nahezu abgeschlossen. Der Verdacht, das U-Boot sei absichtlich versenkt worden, habe sich verstärkt. Die Elektronik des Schiffes werde weiter untersucht, unter anderem in der Hoffnung, einen Zeitablauf rekonstruieren zu können. Nach Wall wird inzwischen auch mit Flugzeugen gesucht. Die dänische Polizei bat zudem Schweden um Erlaubnis, die Suche auf die Gewässer des Nachbarlandes ausdehnen zu dürfen.

Justiz schließt Öffentlichkeit von Anhörung aus

Eine abenteuerliche Geschichte, die durch Einlassungen der dänischen Justiz noch ein wenig bizarrer erscheint. Richter Kari Sørensen, der eine 24-tägige Untersuchungshaft für Madsen anordnete, schloss die Öffentlichkeit von der gerichtlichen Anhörung und Anklageverlesung aus. "Aftonbladet" schreibt, Madsen habe sich vor Gericht öffentlich erklären wollen, sei aber vom Richter gestoppt worden. "Im Verhör mit Peter Madsen seien Dinge bekannt geworden, die nicht öffentlich gemacht werden sollten", sagte Sørensen demnach. Der Beschluss sei mit Rücksicht auf die Angehörigen gefällt worden und um die Ermittlungen nicht zu behindern. Weiter heißt es, die Anklage werfe Madsen vor, Kim Wall an einem unbekannten Ort auf unbekannte Weise getötet zu haben. Die Tat sei nicht mit Absicht, sondern aus Unachtsamkeit geschehen. Madsens Anwalt sagte, sein Mandant weise die Vorwürfe zurück.

Die Journalistin Kim Wall ist nach Angaben ihrer Familie verschwunden.
Die Journalistin Kim Wall ist nach Angaben ihrer Familie verschwunden.Foto: AFP

Madsen ist ein international bekannter und mit einigen Preisen ausgezeichneter Ingenieur und Erfinder. In der Vergangenheit hat er sich vor allem damit beschäftigt, Raketenantriebe zu konstruieren und zu bauen. Weltweit für Schlagzeilen sorgte Madsen 2010 und 2011, als er mit dem dänischen Architekten und Raumfahrt-Ingenieur Kristian von Bengtson mit der Billigrakete "Heat-1X-Tycho-Brahe" der Nasa Konkurrenz machen wollten. Das Projekt löste international Aufmerksamkeit aus, weil die Dänen mit einfachsten Mitteln bemannte Raumfahrt betreiben wollen: So verwendeten sie als Hitzeschild Korkscheiben aus einem Teppichladen, kauften die meisten Schraubsätze im Baumarkt und montierten gegen die Vereisung von Ventilen einen simplen Haartrockner.

Peter Madsen entwickelt Raketenantriebe und U-Boote

Alles in allem gaben sie damals an, für ihre Rakete nicht mehr als umgerechnet 40.000 Euro ausgegeben haben. Der erste Startversuch von einer schwimmenden Plattform in der Ostsee aus scheiterte allerdings komplett, beim zweiten erreichte die Rakete erstmals eine Höhe von 2,8 Kilometer, geplant waren jedoch 16 Kilometer.

Der zweite Arbeitsschwerpunkt Madsens ist die Konstruktion von U-Booten. Die "UC3 Nautilus" ist der Zeitung "Svenska Dagbladet" in Schweden zufolge das größte privat gebaute U-Boot der Welt. Es ist 17,9 Meter lang und wiegt 40 Tonnen. Die Kosten werden mit umgerechnet knapp 200.000 Euro angegeben.

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