Dänische Prinzessin : Die schweigsame Prinzessin der Herzen

Zum Abschluss seines Deutschland-Besuchs ist das dänische Thronfolgerpaar am Samstag auch in Schleswig-Holstein von zahlreichen Fans begeistert empfangen worden.

Kiel - Bis zu 600 Menschen - darunter 200 Schüler - verfolgten mit Applaus und manchen Jubelrufen das Eintreffen von Kronprinz Frederik und Kronprinzessin Mary zu einem Empfang in Kiel. Viele schwenkten kleine dänische Fahnen. Im Rahmen strenger Sicherheitsvorkehrungen waren 300 Polizisten im Einsatz. Dennoch herrschte eine entspannte Atmosphäre: Die Hoheiten schritten die erste Reihe der Menge ab, schüttelten viele Hände und sagten auch gelegentlich ein paar leise Grußworte zu ihren Fans.

Ansonsten schweigen, nicken und lächeln die Royals in der Öffentlichkeit weitgehend. Der erst vier Monate alte Prinz Christian bleibt fremden Augen völlig verborgen, aber in der Nähe des Trosses von bis zu zehn Fahrzeugen. Denn er wird von Mary noch gestillt. Zu den fahnenschwenkenden Zuschauern zählt Kerstin Alwast (34): "Ich stand schon bei der Hochzeit der beiden in Kopenhagen in der ersten Reihe auf der Straße", erzählt sie begeistert.

Prinzessin Mary trägt am zweiten Besuchstag einen moosgrünen, körperbetonten Hosenanzug, ein braunes Halstuch und dezente blaue Ohrstecker. Für sie und ihren Mann gibt es in der Kunsthalle eine private Führung durch eine Ausstellung mit dänischer Kunst. Die 14 Exponate aus der Zeit von 1800 bis in die Gegenwart wurden eigens für die Thronfolger aus dem Museumsschatz zusammengestellt. Frederiks Vorfahr Christian VIII. hatte die Kieler Sammlung vor 150 Jahren mit aufgebaut. Auch Frederik und Mary gelten als große Kunstfreunde, der Kronprinz ist mit vielen zeitgenössischen dänischen Künstlern befreundet. Besonders fasziniert stehen die jungen Hoheiten vor abstrakten Gemälden von Per Kirkeby und Richard Mortensen.

Weitere Stationen sind Schloss Gottorf in Schleswig und der mittelalterliche dänische Wall Danewerk. Während im Nahen Osten wegen des Karikaturenstreits noch immer dänische Fahnen verbrannt werden, ist im hohen Norden nur Harmonie zu spüren: Vor dem Danewerk-Museum stehen Kinder, die die rot-weiße Fahne ins Gesicht geschminkt bekommen haben. Ihre Mutter ist eine 37-jährige Friedrichstädterin aus der dänischen Minderheit und sagt: "Bei solchen Gelegenheiten werde ich zur Royalistin." Dennoch habe sie wegen der weltweiten Konflikte um dänische Karikaturen Bedenken gehabt: "Bevor wir gekommen sind, habe ich die Polizei angerufen, ob es Drohungen gibt. Schließlich habe ich fünf Kinder dabei."

Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) schenkt dem Paar das Bild "Thomas Mann" des Schauspielers und Malers Armin Müller- Stahl. "Dänen und Deutsche haben in vielen Jahrzehnten eine gute, eine freundschaftliche Nachbarschaft aufgebaut", stellt der Kieler Regierungschef heraus und bedankt sich erneut für die Ehre, dass die dänische Königin ihn in einer Privataudienz empfangen habe. Die Hoheiten bekommen auch mehrere Kunstbände mit ins Gepäck. Als Gegengabe überreichen sie Carstensen ein signiertes Foto, das das Thronfolgerpaar zeigt. Am späten Nachmittag setzte sich der Tross Richtung Dänemark in Bewegung - wieder mit Applaus. (Von Christof Bock, dpa)

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