"Dames Pipi" in Frankreich : Der Klo-Krieg von Paris

In Paris sollen Luxus-Toiletten die Klofrauen unnütz machen. Die Damen zogen vors Gericht - und erlitten eine Niederlage.

Die "Dame-Pipi" Gabrielle Adams in Paris.
Die "Dame-Pipi" Gabrielle Adams in Paris.Foto: AFP

Jahrzehntelang hüteten die "Dames Pipi" öffentliche Toiletten an Pariser Touristenattraktionen wie der Kathedrale Notre-Dame oder der Basilika Sacré-Coeur. Doch plötzlich sollen die Toilettendamen nicht mehr gut genug sein für diesen Job - und finden sich auf der Straße wieder. Denn der neue Betreiber will an historischen Monumenten wahre Luxus-Toiletten mit angeschlossenen Boutiquen für Touristen anbieten, für die älteren Klofrauen ist da kein Platz mehr. In dem bizarren Klo-Krieg haben die Frauen jetzt vor dem Pariser Arbeitsgericht eine schmerzliche Niederlage erlitten.

"Wir werden weggeworfen wie alte Lappen", empört sich Gabrielle Adams, die seit fast 30 Jahren öffentliche Toiletten in Paris putzt und mit ihrer umgangssprachlichen Berufsbezeichnung als "Pipi-Dame" kein Problem hat. "Wieso finden wir uns in einer solchen Lage wieder? Ich verstehe das nicht." In den Augen des Klobetreibers Sarivo PointWC ist die Sache dagegen völlig klar: Denn die Tochterfirma des niederländischen Dienstleisters 2theloo - ausgesprochen klingt das auf Englisch wie "aufs Klo" - hat schmutzigen und übelriechenden öffentlichen Toiletten den Kampf angesagt.

Der Betreiber setzt auf edle "Toiletten-Boutiquen": Touristen können in den gepflegten Design-Toiletten nicht nur gegen Zahlung von ein bis zwei Euro ihr Geschäft verrichten, sondern in einem angeschlossenen Laden auch schicke WC-Accessoires wie buntes Klopapier, elegante Seifenspender oder modische Toilettendeckel kaufen. "Die täglichen Pausen auf der Toilette in VIP-Zwischenstopps verwandeln", heißt das etwas hochtrabend auf der Internetseite des WC-Betreibers. "Aus einem sehr privaten Moment einen sehr privaten und komplett demokratisierten Luxus machen." Und deswegen stellt der Betreiber auch nicht einfach nur fürs Putzen zuständige Klodamen ein.

Toiletten-Personal müsse Kunden auf Arabisch begrüßen können

Beschäftigt würden vielmehr "Verkäufer, die mit den Regeln französischer Eleganz und den Regeln der Eleganz für ausländische Kunden vertraut sein müssen", sagt Firmen-Anwalt Paul Coëffard der "International New York Times". So müsse das Personal gegebenenfalls "eine Sultan aus dem Oman oder einen Sultan aus Saudi-Arabien" mit einigen Worten auf Arabisch begrüßen können - auch wenn es eher unwahrscheinlich erscheint, dass sich solche hohen Herrschaften bei Paris-Besuchen in eine öffentlichen Toilette verirren.

So oder so: Die "Dames Pipi" sind der Aufgabe in den Augen von Sarivo PointWC offenbar nicht gewachsen. Und als der Klo-Dienstleister zum 1. Juli ein halbes Dutzend öffentlicher Toiletten an bekannten Pariser Monumenten übernahm, wurden elf Toilettenfrauen nicht weiterbeschäftigt. "Sie wollen ihre Beschäftigten selbst aussuchen, aber uns haben sie nicht einmal gesehen", klagt die aus Togo stammende 62-jährige Adams. Sie und ihre Kolleginnen demonstrierten im Sommer, viel beachtet von französischen Medien, am Touristenmagnet Montmartre und forderten eine Weiterbeschäftigung. Außerdem zogen sie vor das Pariser Arbeitsgericht. Denn eigentlich müssen laut einer Branchenvereinbarung Toiletten-Betreiber bei einem Konzessionswechsel das alte Personal weiterbeschäftigen. Doch PointWC sieht sich daran nicht gebunden - denn das Angebot sei eben nicht mit herkömmlichen öffentlichen Toiletten zu vergleichen.

Am Dienstag lehnte das Arbeitsgericht einen Eilantrag von sechs der Frauen ab, die ihre Wiedereinstellung erzwingen wollten. Ihre Anwälte kündigten umgehend Berufung an. Doch das Pariser Rathaus will dem Streit ein Ende setzen. "Die Stadt wird die elf Frauen hin zu einer stabilen beruflichen Lösung begleiten", sagte Vize-Bürgermeister Emmanuel Grégoire. Vorstellbar sei auch eine Anstellung direkt bei der Stadt. Das wäre eine "große Befriedigung", sagt Klofrau Mahliya Fiokouna. "Wir wollen einfach nur arbeiten. Wir wollen nicht arbeitslos werden." (AFP)


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