Welt : Das Bombardement aus dem Weltall

THOMAS DE PADOVA

Asteroiden und Kometen bedrohen die Erde / Abwehr im Ernstfall nur mit Atomwaffen möglichVON THOMAS DE PADOVAEr schlug ein wie eine Bombe.Erst fegte der Meteorit über ein Footballstadion hinweg, wo Zuschauer und Kameraleute am Freitag, den 9.Oktober 1992, gegen 20 Uhr anhand der hellen Lichtblitze verfolgen konnten, wie dieser Stück für Stück auseinanderbrach.Dann donnerte der übriggebliebene, zwölf Kilogramm schwere Stein in Peekskill im Bundesstaat New York in ein geparktes Auto - zur späten Freude des Pkw-Besitzers, dem ein Sammler den stigmatisierten Wagen abkaufte. Daß solche kosmischen Einstürze von Gesteinsbrocken keine Seltenheit sind, ist in klaren Nächten mit bloßem Auge am Himmel zu sehen.Der kurze Lichtschein der Sternschnuppen soll dem Betrachter geheime Wünsche erfüllen.Diese können allerdings schnell in Angst und Schrecken umschlagen, falls sich der herabstürzende Meteorit als riesiger Fels entpuppt.So etwa im Jahre 1908, als ein etwa 60 Meter großer Steinmeteorit mit rasender Geschwindigkeit auf Sibirien niederschoß und mit der vielfachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe in neun Kilometern Höhe über dem Erdboden explodierte.Er verwüstete eine menschenleere Region von mehr als 2000 Quadratkilometern.Sämtliche Bäume in dem Waldgebiet knickten ein wie Streichhölzer. Kann sich die Menschheit vor Einschlägen wie dem des "Tunguska-Meteoriten" schützen? Was tun, wenn gar das apokalyptische Donnergrollen eines "Shoemaker-Levy-9" unseren Planeten ergreift, jenes Kometen, der im Sommer 1994 - in mehrere Bruchstücke zerrissen - den Planeten Jupiter tagelang bombardierte und damit ein kosmisches Spektakel ungeahnten Ausmaßes verursachte? Ein Szenario, das als "nuklearer Winter" bekannt ist, breitet sich vor unser aller Augen aus, wenn wir nur den Einschlag eines ein Kilometer großen Himmelskörpers auf der Erde bedenken: riesige Flutwellen, ein aschebedeckter Himmel, der jegliches Sonnenlicht abhielte und den danach dürstenden Lebewesen den sicheren Tod brächte.Endzeitstimmung. Christian Gritzner, Wissenschaftler am Institut für Planetenerkundung der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt in Berlin-Adlershof, kommt in seiner Dissertation zu dem Schluß, daß die Gefahr einer Kollision größerer Meteoriten, Asteroiden oder Kometen mit der Erde durchaus nicht gering und daß ein unheilbringender Einschlag mit heutigen Mitteln nur schwer zu vermeiden ist.Nur wenn der Himmelskörper früh genug entdeckt werde und sein Durchmesser wenige Kilometer nicht übersteige, bestehe eine gewisse Chance, ihn zu zerstören oder aus der Bahn zu werfen.Bei großen, schnellen Asteroiden oder Kometen gebe es allerdings keine andere Möglichkeit, als dazu nukleare Sprengsätze einzusetzen. "Der wichtigste Faktor bei der Asteroidenabwehr ist die Zeit", sagt Gritzner.Denn je weniger Zeit nach der Entdeckung eines Asteroiden oder Kometen verbleibe, desto stärker müsse man ihn von seiner zur Erde geneigten Bahn ablenken.Und dazu benötigt man dann vor allem eins: viel Energie. Gritzner hat in den vergangenen Jahren einen umfassenden Vergleich möglicher Abwehrsysteme angestellt.Um beispielsweise einen ein Kilometer großen Asteoriden durch Beschuß mit einem 100 Tonnen schweren Satelliten davon abzubringen, auf die Erde zu stürzen, muß dieser bereits 30 Jahre zuvor getroffen werden."Mit Nuklearwaffen könnte man dies auch drei Monate vorher noch schaffen." Der Transport von Atomwaffen in den Weltraum ist allerdings international verboten.Wegen des hohen Gefahrenpotentials wäre ein solcher Einsatz sicherlich auch das letzte einzusetzende Mittel.Doch nicht-nukleare Abwehrsysteme benötigen viel Vorlaufzeit, und umso wichtiger erscheint es Gritzner daher, daß Asteroiden und Kometen frühzeitig entdeckt und ihre Bahnen sorgfältig aufgezeichnet werden. "Mit großangelegten Suchprogrammen können mögliche Kollisionen schon sehr früh erkannt werden." Bislang kenne man von den geschätzten 100 000 Asteroiden, die die Erdbahn kreuzen und größer als 100 Meter sind, allerdings nur etwa 350.Und wieviele Kometen aus erdfernen Regionen dereinst noch auf die Erde zurasen werden, darüber ist noch weniger bekannt."Aber wenn so ein Hale-Bopp mit 40 Kilometern Durchmessern auf uns zukäme, dann könnten wir sowieso nichts mehr machen."

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