Welt : Das ist ja die Spitze

Die Frauen der französischen Politiker genießen immer größeren Einfluss und haben alle ein Vorbild : Hillary Clinton

Sabine Heimgärtner[Paris]

Sie heißen Cecilia, Bernadette, Marie-Caroline und Ségolène und sind alles andere als „normale“ Französinnen. Sie sind die Gattinnen von Spitzenpolitikern und als neue Spezies so umschwärmt wie sonst nur Schlagersängerinnen oder Kinosternchen. Der einzige Unterschied: Ihre eigenen Vorbilder sind nicht Mireille Mathieu, Catherine Deneuve oder Edith Piaf, sondern Hillary Clinton. Die erste der Ehefrauen im politischen Rampenlicht, die das offen zugab, war die auch über Frankreich hinaus bekannteste: Bernadette Chirac, Frankreichs „First Lady“, seit fast 50 Jahren mit Jacques verheiratet.

Mehr als die „Frau an seiner Seite “

Die 70-Jährige begeistert sich schon lange für die starke Amerikanerin, hat sie mehrfach besucht und des Öfteren auch zum persönlichen Gespräch in ihre eigenen Amtsräume im Elysée-Palast gebeten. „Bernie“, wie die französische Präsidentengattin vertraulich-liebevoll vom Volk genannt wird, macht seitdem keinen Hehl mehr daraus, dass sie sich nichts lieber wünschte, als Hillary Clinton als nächste Chefin im „Weißen Haus“ in Washington zu sehen. Bernadette Chirac hat mit ihren emanzipierten Bekenntnissen einen neuen Trend ausgelöst, dem sich andere Politikerfrauen rasch anschlossen und der nicht nur von den Medien, sondern auch von Soziologen und Autoren, ja sogar von Psychologen, aufgegriffen wird. Beliebtes Gesprächsthema auch am Bistro-Tresen: Cecilia, die Frau des Innenministers Nicolas Sarkozy, Marie-Caroline, die Angetraute von Bildungsminister Luc Ferry, und Ségolène Royal, die Partnerin von Sozialistenchef Francois Hollande, sind längst nicht mehr nur die „Frau an seiner Seite“ , sondern selbstständige Persönlichkeiten mit eigenen Meinungen, die sie auch ohne Absprache mit ihren Politikermännern offen kundtun. Und nicht nur das: Die meisten der schicken, ehrgeizigen Damen, die die Rolle als Ehefrauen, Mütter und Beraterinnen ihrer Männer offenbar mühelos unter einen Hut bringen, haben eigene politische Karrierepläne.

Über seine Liebste, Ségolène, mit der er vier Kinder hat und die als Kandidatin bei den Regionalwahlen im März antritt, verriet Hollande erst kürzlich stolz: „Verglichen mit ihr ist Bernadette ein Engel, ich wünsche sie keinem Politiker als Gegner.“ Noch exponierter ist die Stellung von Cecilia Sarkozy, die bereits mit verschiedensten politischen Posten liebäugelte, vom Bürgermeisteramt im Pariser Vorort Neuilly bis hin zur Regionalabgeordneten. Die Frau des Innenministers schmeißt, wie Bilder von „Paris Match“ beweisen, strahlend ihren Haushalt mit ebenfalls vier Kindern, wacht über Kleidung, Ernährung und Schlaf ihres Gatten, ist seine ständige politische Beraterin, unterhält ein eigenes Büro im Innenministerium und nimmt sogar an Kabinettssitzungen teil. Mit ihrem Mann Nicolas zusammen bildet die schlanke Brünette eine Art Dream Team à la Kennedy-Clan, was die Fotomagazine neuerdings dankbar auf ihren Titelseiten darstellen. „Wenn Du Deine Frau behalten willst, arbeite mit ihr!“, so der Geheimtipp von Sarkozy, den sich Jacques Chirac schon lange zu Herzen genommen hat. „Bernadette ist zum Trumpf ihres Mannes geworden“, schrieb die Intellektuellen-Zeitung „Le Monde“, die sich sonst eigentlich weniger um Gesellschaftsklatsch kümmert. Ganz im Trend des neuen Themas aber widmete das Blatt der ersten Dame des Staates kürzlich sogar den Aufmacher, einschließlich eines Kommentars. Als „Marie-Bernadette“ wird sie dort bezeichnet, eine Anspielung auf die ehrgeizige Marie-Antoinette, die am König vorbei Frankreich regierte. Tatsächlich hat Bernadette großen Einfluß. Im Machtzentrum ihres Mannes beschäftigt sie einen eigenen Stab, der sich nicht nur, wie zu Großmutters Zeiten, um den Garten im Elysée-Palast, die Kaffeekränzchen für die Frauen mitgereister Staatsgäste und die Häppchen beim Diplomatenempfang kümmert. Als Schirmherrin verschiedener Wohltätigkeitsorganisationen treibt Frau Chirac reichlich Geld für Krankenhäuser und Stiftungen ein, seit 24 Jahren sitzt sie zudem im Regionalparlament des Departements Corrèze. In ihrer Funktion als „Mutter der Nation“ berichtete sie in einem Interview mit dem „Nouvel Observateur“, dass die Zeiten der „zurückhaltenden“ Präsidentengattinen endgültig vorbei seien. „Yvonne de Gaulle war noch so eine Frau, sehr diskret und immer im Hintergrund, anpassungsfähig und ihrem Politikermann immer zu Diensten.“

Nur im Doppelpack

Für den neuen französischen Trend haben Soziologen und Psychologen bereits einen Namen gefunden: „Politico-amoureux“. Die Politik-Verliebten, denen unter dem Titel „Ihre Frauen“ die Journalistin Elisabeth Chavelet sogar ein Buch gewidmet hat, funktionieren als Tandem und sind nur im Doppelpack zu haben. Bei den Frauen, so sagt die Statistik, handele es sich um berufstätige und sehr erfolgreiche Zeitgenossinen, meistens in zweiter oder sogar dritter Ehe mit ihrem „Politikermann“ verheiratet. „Deshalb sind sie sich von Anfang an der Probleme einer Ehe im Rampenlicht bewußt“, heißt es in einer Studie. Einzige Ausnahme in der prominenten Riege der umschwärmten Politikergattinnen, dennoch nicht weniger bekannt: die in der Presse als „super-sexy“ gerühmte 27 Jahre alte Marie-Caroline Ferry. Nicht mit Karriereplänen, sondern mit schockierenden Auftritten und lasziven Fotos wurde die jüngste aller Ministerfrauen, die Gemahlin von Bildungsminister Luc Ferry, bekannt. Bei einem offiziellen Empfang bekannte sie frank und frei, sie träume davon, sich nachts splitternackt im gleißenden Licht großer Supermärkte zur Schau zu stellen, und zudem macht sie kein Geheimnis daraus, dass sie die politische Karriere ihres Mannes alles andere als unterstützt: „Das ist nicht sein Metier. Luc ist Philosoph“, befand die Mondäne. Voilà, die selbstbewussten Politikerfrauen Frankreichs!

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