Welt : Das Opfer steinigen

Erstmals seit das islamische Recht (Scharia) in vielen Teilen Nigerias herrscht, soll dort eine Frau zu Tode gesteinigt werden: Safiyatu Husaini war vor das Gericht in Sokoto gekommen, um ihren mutmaßlichen Vergewaltiger auf finanzielle Unterstützung zu verklagen. Der 60-Jährige ist ihr Cousin. Dreimal soll er sie vergewaltigt haben. Sie wurde schwanger und brachte ein Mädchen zur Welt. Als sie Geld für die Namensgebungs-Feier forderte, drehten die Richter den Spieß um und verurteilten die junge Mutter wegen Ehebruchs zum Tode. Im Gefängnis sitzt sie nun ihre Gnadenfrist ab, von der niemand weiß, wann sie endet.

"Das ist nur ein Trick, um die Weltöffentlichkeit abzulenken und dann das Urteil zu vollstrecken, wenn alle wegsehen", sagt ein Menschenrechtler in der Hauptstadt Abuja. Im ganzen Land hat das erste Todesurteil gegen eine Frau heftige Proteste ausgelöst. Die nigerianische Frauenrechtlerin Ayesha Imam wirft den Provinzregierungen "Missbrauch der Religion" und "staatlicher Macht" vor. Die deutliche Botschaft der Urteile sei, dass Männer nach Vergewaltigungen straflos blieben, wenn sie nur dafür sorgten, dass es keine Zeugen gebe. Menschenrechtler und Christen kritisieren die immer drastischeren Methoden, mit denen die Gerichte im moslemisch dominierten Norden die Scharia umsetzen.

Vor zwei Jahren wurde sie als erstes im Bundesstaat Zamfara eingeführt. Peitschenhiebe oder Amputationen sind seitdem gängige Strafen. Prostituierte sind aus dem Stadtbild verschwunden, Alkohol verboten. Jungen und Mädchen besuchen getrennte Schulen. Frauen müssen sich verschleiern und dürfen nur noch in den hinteren Reihen von Bussen sitzen.

Im Januar erhielt eine 17-Jährige in Zamfara für ihren angeblichen Ehebruch 100 Peitschenhiebe. Sie war durch eine Vergewaltigung schwanger geworden, aber die Richter glaubten ihr nicht. Zwei Dieben in Zamfara und Sokoto wurden die Hände abgehackt. Im Staat Kano peitschten moslemische Milizionäre im letzten Dezember einen christlichen Händler aus, bei dem sie eine Flasche Schnaps gefunden hatten.

Viele Nigerianer werfen Staatspräsident Olusegun Obasanjo vor, nicht genug gegen die religiös begründete Gewalt zu tun. Doch Obasanjo, selbst gläubiger Christ, ist seit Einführung seiner Zivilregierung 1999 zunehmend machtlos gegen die religiöse Trennlinie, die sein Land teilt. In Konflikten um die umstrittene Einführung der Sharia starben bis heute rund 2000 Moslems und Christen.

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