Das tut man nicht : Der Fahrlehrer pennt - muss ich ihn anzeigen?

Diplom-Psychologe Rüdiger Born antwortet auf die Frage, ob man schlafende Fahrlehrer anzeigen sollte.

Frage: Ich habe vor einigen Wochen meine Führerschein-Prüfung bestanden. Der etwa 70 Jahre alte Inhaber der Fahrschule gab mir Praxisunterricht und schlief während der Fahrstunden auf der Landstraße mehrfach ein. Sobald ich abbremste, war er sofort wieder wach. Beim ersten Mal erschrak ich sehr und sprach ihn darauf an. Mit mehr Fahrpraxis konnte ich darüber schmunzeln. Jetzt hadere ich, ob ich ihn beim Fahrlehrerverband oder gar bei der Polizei melden muss, um andere Verkehrsteilnehmer und künftige Fahrschüler zu schützen. Ich möchte dem sympathischen alten Mann aber auch nicht die Existenz zerstören. Tut man das?



Ja, melden Sie das, denn es ist wirklich gefährlich. Die richtige Adresse dafür ist die Führerscheinstelle. Die Konsequenzen sind nicht automatisch so zerstörerisch, wie Sie befürchten. Der "sympatische alte Mann" hat zwei Probleme: dass er an der falschen Stelle einzuschlafen pflegt und dass er aus diesem Defizit keine angemessenen Konsequenzen zieht. Wenn Sie ihn melden, wird er sich kümmern müssen. Das Einschlafen könnte Ursachen haben, deren Regelung ihm auch außerhalb des Autos sehr gut tut. Den bislang unverantwortlichen Umgang mit dem Problem könnte er erfolgversprechend mit mir oder einem anderen niedergelassenen Verkehrspsychologen diskutieren. Vermutlich wird die Behörde von ihm eine Aufklärung erwarten, wieso sie beim nächsten Problem eine bessere Haltung von ihm erwarten soll. Das tut man. Das kann man tun

Zur Person:
Der Diplom-Psychologe Rüdiger Born hat sich auf Verkehrspsychologie spezialisiert. Zu seinem Aufgabengebiet gehören das Coaching von Verkehrsdelinquenten und die Rekonstruktion von Unfällen. Er führt die Geschäfte des Bundesverbandes Niedergelassener Verkehrspsychologen in Hamburg.

Quelle: www.das-tut-man-nicht.de  

0 Kommentare

Neuester Kommentar