Welt : Das Unwetter zieht eine Spur der Verwüstung nach sich

Ein Orkantief hat am Sonntag ein Spur der Verwüstung durch Westeuropa gezogen. Mehr als 30 Menschen kamen ums Leben, davon sieben in Süddeutschland. Der Orkan hatte sich in Frankreich gebildet und war über Süddeutschland und die Schweiz nach Osteuropa gerast. Im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern wurden Bäume entwurzelt, Dächer abgedeckt und Stromleitungen gekappt. Die Orkanböen erreichten Geschwindigkeiten von 213 Kilometern in der Stunde. Dieser Höchstwert in Deutschland wurde nach Angaben von Meteofax in der Wetterstation in Ihringen im Kaiselstuhl gemessen. Die Polizei sperrte viele Straßen und auch Autobahnen. Allein in Stuttgart und Umgebung wurden hunderte Bäume umgerissen. Im Pfälzer Wald waren nach Angaben der Polizei Kaiserslautern die meisten Straßen unpassierbar. Auch im Nahverkehr und bei der Bahn kam es zu Streckensperrungen, Umleitungen und Verspätungen.

213 Kilometer in der Stunde

Der Sturm hat auch das Atomkraftwerk Biblis in Mitleidenschaft gezogen. Der Stromkonzern RWE Energie berichtete am Nachmittag von einer "kurzzeitigen Störung im Hochspannungsnetz", wegen derer der Block A für eine knappe Dreiviertelstunde vom Netz genommen worden sei. "Vielleicht ist etwas auf die Hochspannungsleitungen gefallen, ein Ast oder so, vielleicht haben sich die Leitungen im Sturm kurz berührt, wir wissen es nicht", sagte Sprecher Ernst Müller. Es habe um 11.49 Uhr eine Kurzunterbrechung im Netz gegeben und der Block A habe seine Leistung nicht abgeben können. Deshalb sei er vom Netz gegangen - ein Vorgang, für den der Meiler ausgelegt sei. Alles sei ordnungsgemäß verlaufen und der Block A sei um 12.27 wieder ans Netz gegangen.

Ein umgerissener Baum erschlug am Sonntagmittag in der Nähe von Rinnthal in Rheinland-Pfalz einen Autofahrer. Wie ein Polizeisprecher sagte, fiel der Baum um, stürzte seitlich auf den Wagen und verletzte den 37-jährigen Fahrer tödlich. Seine Beifahrerin blieb unversehrt. Im schwäbischen Baltmannsweiler wurde eine Frau von einem umstürzenden Baum erschlagen. In Heilbronn wurde eine Frau schwer verletzt, als eine Glasscheibe auf sie fiel. Auf der Autobahn A8 Richtung Karlsruhe kamen bei Pforzheim zwei Autofahrer bei zwei Unfällen ums Leben. Der Grund waren umgestürzte Bäume, die Autobahn war stundenlang gesperrt.

Auf dem rund 1500 Meter hohen Feldberg registrierte die Wetterstation mit 213 Stundenkilometern die höchste je gemessene Windgeschwindigkeit. 167 km/h wurden nach Angaben von Meteofax in der Wetterstation in Ihringen im Kaiselstuhl gemessen. In Karlsruhe wurden gegen Mittag 152 Stundenkilometer gemessen, in Saarbrücken 130, in Stuttgart 144 Stundenkilometer. In Stuttgart stürzte ein Kran auf ein Haus und verursachte Sachschäden in Höhe von 100 000 Mark. Die Böen deckten zudem Dächer ab und kappten Stromleitungen. In Ludwigsburg-Hoheneck drohte ein Kirchturm einzustürzen. "Alles, was an Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften verfügbar ist, ist hier auf der Straße", sagte ein Stuttgarter Polizeisprecher. Schwer Verletzte gab es dort bis zum Nachmittag keine. "Da haben wir Glück, dass wegen des Feiertags so gut wie niemand auf der Straße ist."

Große Sachschäden gab es auch im Pfälzer Wald. "Hier herrscht das Chaos", kommentierte ein Polizeisprecher aus Landau die Lage. Allein in Neustadt an der Weinstraße zählte die Polizei innerhalb von drei Stunden mehr als hundert Notrufe. In Ludwigshafener Ortsteil Gartenstadt wurde ein Zirkuszelt weggeweht, so dass die Tiere im Freien standen und die Feuerwehr helfen musste. Im gesamten Stadtgebiet wurden Baugerüste und -zäune sowie Verkehrszeichen umgeweht.

Über Sturmschäden berichtete auch die Polizei Kaiserslautern. Bei einem Unfall sei ein Baum auf ein Auto gestürzt. Im Landkreis seien mehrere Bundesstraßen gesperrt worden, so die B37 und die B48 von und nach Hochspeyer. "Im Grunde sind alle Straßen im Pfälzer Wald unpassierbar. Es ist zu gefährlich für die Feuerwehr, die Bäume zu beseitigen und wenn sie einen weggeräumt haben, dann fällt schon der nächste."

Die Polizei in Pirmasens berichtete über herabstürzende Schornsteine und Dachziegel im gesamten Stadtgebiet und auch in den Vororten. Menschen seien bis zum Nachmittag nicht zu Schaden gekommen. Die Straßen im Gebiet zwischen Pirmasens und Zweibrücken seien gesperrt.

In ganz Schwaben blockierten umgestützte Bäume Straßen. In Augsburg riss der Sturm das Dach einer Turnhalle auf, mehrere Häuser wurden teilweise abgedeckt, das Dach des Postcenters am Augsburger Bahnhof drohte abzustürzen.

Schnee und Eis sorgten am Morgen in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern für zusätzliche Probleme. Auf den Autobahnen westlich von München gab es am zweiten Weihnachtstag Serienunfälle mit einem Toten und fünf Verletzten. Wegen extremen Glatteises verunglückten zwei Menschen auf den Straßen Mecklenburg-Vorpommerns tödlich. Bei insgesamt 150 Verkehrsunfällen gab es nach Polizeiangaben zudem 51 Verletzte.

Orkanböen legten die Bahnstrecke Augsburg - Ulm zeitweise lahm. Auch im Südwesten Deutschlands wurden zahlreiche Bahnstrecken gesperrt. Betroffen waren Abschnitte der Verbindungen zwischen Saarbrücken und Mannheim beziehungsweise Trier, Freiburg - Basel, Karlsruhe - Pforzheim sowie Basel und Singen. Wo die Verhältnisse es zuließen, wurden Busse eingesetzt.

Gondelunglück in der Schweiz

Betroffen von dem Orkan waren besonders der Norden Frankreichs und die Schweiz. In Frankreich deckten die bis zu 200 Kilometer pro Stunde starken Böen am Sonntag Dächer ab, durchtrennten Stromleitungen und warfen Kamine um. In Paris waren die Straßen mit Ästen, Trümmern und herabgefallenen Ziegeln bedeckt; Zeitungskioske brachen zusammen, auch große Bäume wurden entwurzelt.

In der Schweiz hat der Orkan mindestens neun Menschenleben gefordert. Im Skigebiet Crans Montana im Kanton Wallis stürzte eine Gondel ab, nachdem ein entwurzelter Baum dagegen geschlagen war. Ein Mensch kam ums Leben.

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