Welt : Datenübergabe per Handschlag

Kurt Sagatz

Der Rettungssanitäter beugt sich über das Unfallopfer, die eine Hand berührt den Verletzten, in der anderen hält er einen kleinen Taschencomputer. Früher hätte der Sanitäter vielleicht den Puls gemessen. In Zukunft könnte er durch die Berührung wichtige Daten des Verletzten empfangen, um bereits bei der ersten Untersuchung wichtige Hinweise beispielsweise auf eine Herzschwäche oder eine Medikamentenunverträglichkeit zu erhalten. Auch wenn das derzeit noch eine Zukunftsvision ist, technisch machbar ist die Datenübertragung über die menschliche Haut bereits jetzt. Und Microsoft, der weltgrößte Softwarekonzern, hat sich die „Methoden und Apparate zur Übertragung von Strom und Daten mit dem menschlichen Körper“ gerade patentieren lassen, wie der „Spiegel“ in seiner jüngsten Ausgabe meldet.

Auch wenn Microsoft nach eigenen Angaben derzeit weder ein konkretes Produkt vorzuweisen hat noch an der Entwicklung arbeitet, so braucht es nicht viel, sich künftige Einsatzfelder für die menschliche Datenübertragung vorzustellen. Die Leitfähigkeit der menschlichen Haut reicht aus, um innerhalb einer Sekunde beispielsweise ein kleines Word-Dokument zu übertragen. Warum also nicht beim nächsten Besuch des Personalberaters gleich zu Beginn des Gesprächs den Lebenslauf per Händedruck übertragen? Oder beim Messebesuch unkompliziert die „virtuelle Visitenkarte“ beim Händeschütteln austauschen? Den Begriff „Handshake“ gibt es schließlich schon lange, wenn verschiedene technische Geräte wichtige Kommunikationsparameter aushandeln.

Um beurteilen zu können, welche Bedeutung die menschliche Berührung erlangen könnte, braucht man allerdings nicht in die ferne Zukunft zu schauen: Das bayerische Unternehmen Ident Technology hat im Gegensatz zu Microsoft bereits ein Produkt entwickelt, dass die Leitfähigkeit der menschlichen Haut praktisch nutzen soll. Im Zusammenspiel mit einem kleinen Chip, der die persönlichen Daten des Anwenders enthält, soll so beispielsweise durch die Berührung des Türgriffs ein Auto geöffnet werden können – wobei sich allerdings die Frage stellt, wie das im tiefsten bayerischen Winter mit dicken Fellhandschuhen funktionieren soll. Immerhin: Mit einigen deutschen Automobilfirmen werde bereits verhandelt, erklärte Ident-Technology-Chef Peter Rosenbeck, der darum auch mit dem Microsoft-Vorpreschen alles andere als einverstanden ist und die Patentierung durch seine Anwälte gerade überprüfen lässt.

Das Einsatzspektrum dieser neuen Form der Informationsübermittlung geht allerdings noch weiter. Für den Chiphersteller Infineon hat das Unternehmen aus Wessling eine Sender-Empfänger-Technologie für eine Spielzeugpistole entwickelt, so dass die „Waffe“ nur von einer berechtigten Person abgefeuert werden kann. So wie im Science-Fiction-Film „Judge Dredd“ von 1995 mit Silvester Stallone, dessen „Lawmaster“ seine schreckliche Wirkung ebenfalls nur dann entfalten konnte, wenn einer der bestellten „Richter“ sie in die Hand nahm, könnten damit auch Polizeiwaffen gesichert werden.

Bislang wird die neue Technik allerdings durch die noch sehr geringe Bandbreite eingeschränkt. Momentan liegt die Übertragungsrate gerade einmal bei einigen Kilobit pro Sekunde. Das reicht für kleine Datenmengen aus, anspruchsvolle Anwendungen – beispielsweise eine Verbindung zwischen einem Handy-Headset und einem Organizer – laufen damit jedoch noch nicht. Laut „Spiegel“ soll es dabei aber nicht bleiben. Professor Peter Faßhauer von der Universität München hält auch Übertragungsraten für möglich, die in den Bereich von High- Speed-Internet gehen könnten.

Beim Konstruktionsprinzip des bayerischen Unternehmens ist nicht einmal der direkte Kontakt zwischen Haut und Empfänger nötig; die Übertragung kommt bereits auf einige Zentimeter Abstand zustande.

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