DAUERSTREIT MIT ÄGYPTEN : Viel zu empfindlich für die weite Reise

Nofretete galt als eine der schönsten Frauen der Welt. Ihr Mann, der Pharao Echnaton, regierte in Ägypten um 1350 vor Christus. Die 50 Zentimeter hohe Statue wurde noch zu kolonialen Zeiten, 1912, vom deutschen Archäologen Ludwig Borchardt bei Grabungen in Ägypten entdeckt und ein Jahr später nach Deutschland gebracht. In Europa waren Kunstschätze aus dem Alten Ägypten zu dieser Zeit höchst begehrt, und Engländer und Franzosen gruben in Ägypten buchstäblich um die Wette. Nach damaligem Recht durfte der Archäologe die Hälfte seines Fundes mitnehmen, die andere Hälfte verblieb in Ägypten. Wie aufgeteilt wurde, entschieden die Ägypter. Warum Borchardt für die kostbare Nofretete-Skulptur eine Ausfuhrgenehmigung bekam, ist bis heute ungeklärt. Die Ägypter sagen, sie seien damals von deutschen Archäologen über die Bedeutung der Skulptur absichtlich getäuscht worden. Die Forscher hätten das Werk verunstaltet und falsche Angaben gemacht. Immer wieder wurde die Statue daher von ägyptischer Seite zurück gefordert. Dass die Skulptur nach den neuen Untersuchungen empfindlicher ist als bisher angenommen und damit kaum transportfähig, dürfte die ägyptische Antikenverwaltung nicht freuen. Zu gerne würde sie die Nofretete wenigstens für die Eröffnung des neuen Ägyptischen Museums bei den Pyramiden im Jahr 2012 ausleihen. Vor zwei Jahren stellte die ägyptische Antikenverwaltung wegen des Streits sogar die künftige Kooperation mit deutschen Museen und Archäologen grundsätzlich infrage. Doch die Bitte stieß auf deutscher Seite bislang auf Ablehnung – aus konservatorischen Gründen müsse der Umgang mit der Kalksteinskulptur äußerst sorgsam sein. krs

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