Welt : Der falsche Kanzler bei Ebay

Merkwürdige Scheingeschäfte beim Online-Auktionshaus

Kurt Sagatz

Berlin. Fast sieben Millionen Deutsche zählt das Online-Auktionshaus Ebay zu seinen registrierten Kunden. Darunter auch Bundeskanzler Gerhard Schröder, der vom Kanzleramt aus mit Millionen-Einsatz um ein digitales Kunstwerk mitgeboten haben soll. Das behauptet jedenfalls ein Ebay-Nutzer, der in der Internet-Ausgabe des „Spiegel“ offenbart, er habe nach Belieben die Bewertungsprofile von Nutzern manipulieren können, ja, er habe sogar ungehindert Ebay-Identitäten erfunden – unter anderem eben die von Gerhard Schröder. Der Vorwurf des dubiosen Auktionskritikers, der sich auf seiner Homepage auch als Traumforscher und Biokybernetiker bezeichnet: Über Monate habe Ebay von ihm erkannte Sicherheitslücken ignoriert und das Vertrauen der Nutzer in das System aufs Spiel gesetzt.

Kritisch bewertet wird jedoch vor allem die Glaubwürdigkeit seiner Aussagen. Alexander Becker, der für das Internet-Magazin „Tomorrow“ Online-Auktionshäuser beobachtet, sieht keinen Grund, dem erfolgreichen Internet-Unternehmen jetzt das Vertrauen zu entziehen. Allerdings schränkt er ein, dass einige der Manipulationen durchaus vorstellbar seien. Eine falsche Identität ließe sich mit einer nicht verifizierten E-Mail-Adresse beispielsweise von GMX sowie Zugriff auf einen Briefkasten zum Erhalt der Zugangsdaten erzeugen. Eine automatische Prüfung der Kontoverbindung habe zudem bislang nicht stattgefunden. Erst wenn Ebay versucht, vom Konto des Verkäufers die Auktionsprovision abzubuchen, werde der Schwindel offenbar und der Nutzer daraufhin gesperrt. Dagegen sei die Gefahr, dass ein Ebay-Nutzer Bewertungsprofile einfach manipulieren kann, äußerst gering.

Ebay-Sprecher Joachim Guentert verweist auf die inzwischen verstärkten Sicherheitsüberprüfungen bei Verkäufern. Bevor Waren angeboten werden können, werden die Nutzerangaben mit der Schufa-Datenbank abgeglichen. Gelingt dies nicht, wird die Identität per Post festgestellt. Dass Ebay die Hinweise über Sicherheitslücken nicht ernst genug genommen habe, weist er zurück. Vielmehr sei die E-Mail des Nutzers so vage gehalten gewesen, dass man angesichts von bis zu 15 000 Mails in der Woche erst so spät darauf reagiert habe.

Gravierender als die Aktionen des Online-Scherzboldes sind Becker zufolge die immer wieder auftretenden Auktionsbetrügereien, wie der Handel mit leeren Verpackungen, überhöhte Versandkosten (100 Euro), Scheingebote oder Unter-der-Hand-Verkäufe. Den besten Schutz davor bieten nach Beckers Einschätzung ganz elementare Regeln: Vorsicht bei Vorkasse. Besser ist die Einschaltung eines Treuhandservices. Am wichtigsten sei jedoch, die Angebote gründlich durchzulesen. Das schützt zumeist schon vor Abzocker-Angeboten.

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