Welt : Der Film meines Lebens: Oscar-Gewinner Florian Gallenberger über "8 1/2"

Johanna Adorján

Wenn ich mich unbedingt für einen Film entscheiden muss, dann "8 1/2" von Fellini. In der Hauptrolle Marcello Mastroianni als Filmregisseur, der in eine Schaffenskrise gerät. Er hat die Arbeit an einem Film begonnen, den er nicht wirklich machen möchte, eine abstruse Geschichte über Menschen, die nach einer Atomkatastrophe mit einem Riesenraumschiff von der Erde fliehen.

"8 1/2" hat mehrere Erzählebenen. Die reale Ebene spielt in der Gegenwart und zeigt die Vorbereitungen der Dreharbeiten in Montecatini Terme. Ich bin letztes Jahr dort hingefahren, um mir das mal in echt anzusehen: ein Kurort für die bessere italienische Society. Natürlich ist der Produzent ein Dicker mit Zigarre und junger Freundin - Fellini spielt mit den Klischees und Wahrheiten des Filmemachens. Eine andere Erzählebene ist die der Träume. Mastroianni hat Tag- und Nachtträume. In ihnen kann er fliegen, hat einen Harem, taucht die bezaubernd schöne Claudia Cardinale auf... Fellini eben. Und dann gibt es noch die Ebene der Kindheitserinnerungen des Regisseurs. All das verwebt Fellini zu einem unterhaltsamen, bewegenden und intelligenten Film, an dessen Ende sich Mastroianni entscheidet, das Projekt nicht zu verwirklichen. Kurz vor der großen Pressekonferenz versteckt er sich, wird gefunden und kriecht schließlich unter einen Tisch. Ihm wird ein Revolver gereicht. Ein Schuss fällt. Nun folgt eine traumhafte Schluss-Sequenz, in der alle Personen auftauchen, die man zuvor gesehen hat, Filmcharaktere, Ehefrau, Menschen aus seiner Kindheit. Seit ich diesen Film mit 17 Jahren zum ersten Mal gesehen habe, stand für mich fest, dass ich auch Filme machen will.

0 Kommentare

Neuester Kommentar