Welt : Der lachende Dritte

„Deutschland sucht den Superstar“: Daniel ist raus. Doch in Berlin fliegen ihm die Herzen zu, so wie überall. Ist er der wahre Gewinner?

Stefan Jacobs,Senta Krasser

Von Stefan Jacobs

und Senta Krasser

Die 400 Fans zwischen den Absperrgittern kreischen vor Glück, als Daniel am Dienstagnachmittag in einem Fenster des Berliner Hotels Schweizerhof erscheint. Er vertritt bei diesem Auftritt vor der Menge den krank darniederliegenden Kandidaten Alexander, der sich eine Stimmbandentzündung zugezogen hat. Daniel macht ein Geräusch wie ein Frosch, um das Mikrofon zu testen. Das war eine Antwort auf „Bild am Sonntag“, die vor drei Tagen titelte: „Daniel hat ausgequakt“.

Das hat er offensichtlich nicht. Die zumeist weiblichen Fans zwischen zwölf und 16 sind begeistert. Daniel trägt ein gelbes T-Shirt zum cremefarbenen Anzug und ist ziemlich gut drauf für ein gerade aus dem Rennen geworfenes Nachwuchs-Talent. Dieter Bohlen erscheint im Nachbarfenster, ist mindestens ebenso gut drauf und findet es „total lieb, dass Ihr alle hergekommen seid“. Dann sagt er noch, „wie aufgeregt wir alle sind" wegen des Finales am Sonnabend. Daniel singt: „Resi, i hol di mit dem Traktor ab", herzt die Kandidatin Juliette an seiner Seite und macht das Fenster wieder zu. Eine Stunde lang werden die beiden nun gemeinsam mit Bohlen Autogramme geben, Daniel wird verheulte Mädchen umarmen und Küsse in alle Winde verstreuen. Die Fans vor dem Eingang frieren und schwenken RTL-Superstar-Fähnchen mit Daniels Konterfei. Vielleicht bleibt Daniel trotz seines Rauswurfs der wahre Superstar.

Alexander Klaws’ Stimme war schon am letzten Samstag nicht auf der Höhe. Das hatte auch die Jury im Halbfinale von „Deutschland sucht den Superstar“ gehört. Er hätte besser mit Whiskey gegurgelt, tönte es aus der Viererjury.

Daniel ist draußen, Alexander, neben Juliette, noch drinnen im Superstar-Zirkus, trotz oder gerade wegen Handicaps. Das hat sich nun am Dienstag bei dem Kollegschüler aus Sendenhorst bei Münster zu einer Stimmbandentzündung ausgeweitet. Drei Tage striktes Sing- und Sprechverbot haben die Ärzte erteilt.

Sind damit die Würfel gefallen für das Finale am Samstag? Heißt Deutschlands Superstar schon jetzt „Madame Glamour pur“-Juliette? Wird die Show überhaupt stattfinden können? Die Sendung am kommenden Samstag sei durch Alexanders Erkrankung nicht gefährdet und werde planmäßig ausgestrahlt, gibt man sich beim Talentfördersender RTL zuversichtlich. Ein Notfallplan sei nicht vorgesehen.

Ein vorzeitiger Gewinner stehe schon gar nicht fest. „In diesen drei Tagen waren Pressetermine vorgesehen, die wir jetzt abgsagt haben, um Alexanders Stimme zu schonen. Seinen Finalsong hat er bereits am Sonntag geprobt", sagt RTL-Sprecher Jovan Evermann. „Außerdem haben wir noch vier Tage bis zum Finale, bis dahin kann die Welt noch untergehen und Alexander wieder gesund werden."

Daniel Küblböcks Poptraumwelt ist am Samstag keineswegs untergegangen in einem Tal von Tränen. Wo immer er auftaucht, es jubeln ihm die Fans zu. Es dürfte kein Zufall sein, dass RTL Daniel gestern in Berlin neben Bohlen und Juliette präsentierte, obwohl Daniel doch eigentlich weg vom Fenster ist. Wer immer den Wettkampf am Samstag gewinnt – es könnte sein, dass Daniel der lachende Dritte ist. Denn noch ist nicht wirklich entschieden, wer am Ende die großen Platten- oder Moderatorenverträge bekommt. Der Sieger des Wettbewerbs – oder der ausgeschiedene Gewinner der Herzen.

Mag sein, dass der fragil wirkende „Bild“-Titelschlagzeilensammler Daniel gelernt hat, nicht nur Noten, Tanzschritte und Presseberichte zu beherrschen, sondern auch Emotionen. Ihm sei es inzwischen egal, dass er die Nation spalte, quakte er vergnügt am Samstagabend. Es mag sein, dass Daniel Küblböck die Aussicht auf einen Plattenvertrag und damit ein Fortbestehen im Pop-Business so sehr gefestigt hat.

Noch in der Sendung versprach Dieter Bohlen, mit allen drei verbliebenen Superstars eine CD aufzunehmen. Bei Daniel werde es eine „sehr spezielle Platte“ für eine „sehr spezielle Stimme“, sagt Evermann, der sich allerdings über mittelfristige Pläne seines Senders, den originellen Ehrenbürger von Eggenfelden vielleicht als TV-Moderator weiter zu beschäftigen, bedeckt hält. „Daniel wird uns noch auf jeden Fall bis Mitte Juni entertainen, wenn die Deutschland-Tour aller Finalisten mit Dieter Bohlen zu Ende geht. Bei der Finalsendung und drei weiteren Superstar-Shows wird er auch dabei sein. Was nach der Tour kommt, ist völlig offen."

„Ganz sicher“ ist sich Evermann, dass Daniel Starqualitäten besitzt.

„Den Namen Küblböck werden wir auch im nächsten Jahr noch kennen, weil ich sicher bin, dass sein Album ein Megaerfolg wird.“

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