Welt : Der mysteriöse Tod der Sunanda Pushkar

Die Frau eines wichtigen indischen Politikers hatte diesen zuvor öffentlich der Untreue bezichtigt.

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Glamourpaar. Der frühere UN-Vizechef Shashi Tharoor und Sunanda Pushkar. Foto: AFP
Glamourpaar. Der frühere UN-Vizechef Shashi Tharoor und Sunanda Pushkar. Foto: AFPFoto: AFP

Neu-Delhi - Noch am Donnerstag hatten sie in einer Presseerklärung versichert, dass „wir glücklich verheiratet sind und dies auch bleiben wollen”. Seit 2010 waren der bekannte Politiker Shashi Tharoor und seine Frau Sunanda Pushkar das Glamourpaar von Indiens politischer Beletage. Doch nun endete die Lovestory in einer Tragödie: Sunanda wurde in ihrer Suite im Nobelhotel Leela in Delhi tot aufgefunden – nur kurz nachdem sie ihren Mann öffentlich bezichtigt hatte, eine Affäre zu haben und zwar mit einer Journalistin aus Pakistan, dem Intimfeind Indiens.

Seitdem halten das Liebesleben Tharoors und die möglichen Hintergründe des mysteriösen Ablebens seiner Frau Indien in Atem und ziehen auch international Kreise. Tharoor gehört zur ersten Garde der regierenden Kongresspartei und ist auch im Westen kein Unbekannter. Von 2002 bis 2007 war er einer der Vize von UN-Generalsekretär Kofi Annan und hatte 2007 selbst für den UN-Chefposten kandidiert. Nachdem er unterlegen war, kehrte er nach Indien zurück, um dort eine politische Karriere bei der Kongresspartei zu starten. Der eloquente, weltgewandte und charismatische 57-Jährige hat zahlreiche Bücher geschrieben und gilt als einer der brillantesten Köpfe des Subkontinents. Die ungeklärten Umstände von Sunandas Tod werfen nun einen Schatten auf seine Karriere. Klar ist bisher nur eins: Die 52-Jährige starb keines natürlichen Todes. „Wir können sagen, dass dies ein unnatürlicher, plötzlicher Tod war“, erklärte der zuständige Gerichtsmediziner Sudhir Kumar Gupta. Der volle Obduktionsbericht soll in den nächsten Tagen folgen. Die öffentliche Tragödie begann, als auf Tharoors Twitteraccount Anschuldigungen auftauchten, der Minister habe eine Affäre mit der pakistanischen Journalistin Mehr Tarar. Auch angebliche Liebesschwüre Tarars wurden dort zitiert.

Da Tharoor zwei Millionen Follower hat, schlug dies ein wie eine Bombe. Zwar gab das Ehepaar eine Erklärung heraus, dass Tharoors Account gehackt worden sei. Doch in Interviews räumte Sunanda ein, dass sie die Tweets selbst vom Twitterkonto ihres Mannes geschickt habe.

Gegenüber Reportern sprach sie von einer „stürmischen Affäre“ zwischen ihrem Mann und der pakistanischen Journalistin. Zugleich machte sie Andeutungen, dass sie bei einem Korruptionsskandal um Anteile an einem Kricketteam die Schuld für ihren Mann auf sich genommen habe. Am Freitagabend nahmen die öffentlichen Szenen einer Ehe dann eine tragische Wende. Gegen 20 Uhr wurde Sunanda tot in der Suite 345 im Nobelhotel Leela in Neu-Delhi im Bett gefunden. Tharoor selbst war tagsüber beim Parteitag der Kongresspartei.

Sunanda hatte zuletzt in Interviews verwirrt und aufgebracht gewirkt. Auch Freunde sorgten sich um sie. „Sie weinte und war in schlechter Verfassung“, sagte ihre Freundin Nalini Singh Reportern. Sunanda soll an einer bipolaren Störung gelitten haben und war außerdem jüngst mit Magen-Tuberkulose diagnostiziert worden. Noch am Samstagnachmittag ließ Tharoor die Leiche seiner Frau einäschern, nachdem die Gerichtsmediziner sie freigegeben hatten. In Indien wird im Frühjahr gewählt. Und ein Skandal im Regierungslager kommt da zur falschen Zeit. Christine Möllhoff

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