Welt : Der Prinz und die Fernsehkönigin

Spaniens Felipe macht seiner Mutter zu ihrem Geburstag das schönste Geschenk: seine Verlobung

Ralph Schulze[Madrid]

Ein besseres Geschenk hätte Spaniens Kronprinz seiner Mutter, Königin Sofia, wohl nicht machen können. Stunden vor der Feier des 65. Geburtstages am Sonntag kündigte der 35-jährige Felipe die Nachricht des Jahres an: Die Verlobung mit seiner Märchenprinzessin Letizia Ortiz. Die hübsche Blonde kommt zwar nicht aus adeligem Hause, ist aber dafür so etwas wie Spaniens „Fernsehkönigin“. Die 31-jährige promovierte Journalistin war nach einer steilen Karriere zur Moderatorin der beliebtesten abendlichen Nachrichtensendung im staatlichen Fernsehen aufgestiegen. „Am Anfang des Sommers 2004“, so kündigt das königliche Kommunique nun an, soll in der Hauptstadt Madrid die Traumhochzeit des Jahres gefeiert werden. Jahrelang hatte der Prinz, dem die Klatschpresse den inoffiziellen Titel „begehrtester Junggeselle Europas“ verliehen hatte, vor allem durch seine Romanzen mit Adelstöchtern und schönen Bürgerlichen aus aller Welt Schlagzeilen gemacht. Seine Liaison mit dem norwegischen Fotomodell Eva Sannum hatte sogar halb Spanien aufgebracht, weil Felipe vor zwei Jahren ganz offenbar die ernsthafte Absicht hatte, die kühle Blonde aus dem Norden, die auch schon in Unterwäsche über den Laufsteg stolziert war, zu seiner Frau zu küren. Die Moralisten, die darin den Untergang der Monarchie sehen, verhinderten dies mit harten und öffentlichen Protesten: Felipe musste Eva den Laufpass geben. Gegen die Neue, eine Spanierin aus mittelständischem Hause, haben die Traditionshüter bisher nichts einzuwenden. Schließlich ist Letizia, mit ihrer natürlichen Ausstrahlung ja dem Volk auch schon bestens vertraut.

Sie sitzt via Fernseher bei jeder besseren Familie mit am Abendbrottisch. „Sie ist eine von uns“, sagen die Menschen auf der Straße stolz. Erleichtert, dass der jüngste, aber einzige männliche Spross von König Juan Carlos und Königin Sofia endlich unter die Haube kommt. „Ein ganz normales Mädchen.“ Auch die Medien sind sich über die Frau, die an Felipes Seite ihre Karriere mit dem Amt der Königin krönen wird, einig: „Eine gute Wahl.“

Angesichts des nationalen Jubels über die Heiratsankündigung spielt auch der kleine Schönheitsfleck im früheren Leben Letizias, eine gescheiterte erste Ehe, keine große Rolle. „Diese Umstände sind heutzutage normal“, wiegelt ein Sprecher des Königshauses ab. „Sie ist eine Frau des 21. Jahrhunderts.“ Die vor sechs Jahren geschlossene Beziehung mit einem Lehrer für Literatur, Resultat einer alten Jugendliebe, dauerte ohnehin nur ein Jahr. Und wurde auch nur zivil und nicht kirchlich besiegelt. Der geplanten Märchenhochzeit im weißen Traumkleid vor dem Hochaltar der Madrider Kathedrale steht demzufolge im Frühsommer nichts im Wege. „Denn eine zivile Eheschließung im Rathaus“, erläutert ein spanischer Theologe, „existiert für die katholische Kirche nicht.“

Heimliche Treffen

Vor gut einem Jahr sollen Felipe und Letizia sich kennen gelernt haben, seit Monaten ein festes Paar sein. Und niemand hat es gemerkt. Selbst die besten Freunde, Journalistenkollegen und Nachbarn von Letizias Appartement in der Madrider City wurden von der Nachricht überrascht, die in ganz Spanien wie eine Bombe einschlug. „Sie sagte nur, dass sie einen Freund habe“, wird aus ihrer Umgebung berichtet. „Das war das bestgehütete Geheimnis Spaniens.“ Letizia, die aus einer Journalistenfamilie aus der nordspanischen Region Asturien stammt, wird als „ehrgeizige, engagierte und großartige Reporterin“ beschrieben. Sie berichtete während des Krieges aus dem Irak und nach dem Terrorangriff am 11. September 2001 aus New York. Letizias Job als Journalistin dürfte nun, ohne dass dies schon offiziell verkündet wurde, beendet sein. Eine künftige Königin, die allabendlich als attraktive Anchor-Woman über die Mattscheibe flimmert und mit ihrem neuen majestätischen Glanz dann sogar die dramatischen Nachrichten überstrahlt, das kann sich in diesem Land niemand vorstellen. Sie habe nun ja auch anderes zu tun.

Die Auserwählte, orakeln die Hofberichterstatter, müsse sich auf ihr neues Leben für die Krone vorbereiten. „Sie ist zwar eine diskrete, disziplinierte und elegante Person“. Aber auch das Amt der Königin sei so etwas wie ein Beruf, den es zu erlernen gelte. Zumal Spanien mit Letizia erstmals eine Königin bekommen wird, durch deren Adern kein blaues Blut fließt. Das ist eine „Demokratisierung der Monarchie“ jubelt die nationale Zeitung „El Mundo“. Und offenbar ansteckend. Denn den Königshäusern Europas geht zunehmend der reinblütige Nachwuchs verloren. Der norwegische Thronfolger Haakon heiratete die Bürgerliche Mette-Marit, obwohl deren wilde Vergangenheit Stirnrunzeln auslöste. Hollands Prinz Willem Alexander vermählte sich mit der unadeligen Argentinierin Maxima Zoeguieta und erregte damit Anstoß, dass Maximas Vater Minister des früheren Militär- und Folterregime war. Dänemarks Kronprinz Frederik versprach der australischen Rechtsanwältin Mary Donaldsohn die Ehe. Und nun auch noch Spaniens Felipe.

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