Welt : Der Sommer kommt zurück: Fast 30 Grad in Süddeutschland?

Andreas Oswald

Anfang der Woche mochte es kaum jemand glauben. Nach Tagen des Regens und des trüben Himmels sagten die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes plötzlich Temperaturen von 29 Grad für das nächste Wochenende voraus. So etwas hatte es im Juli schon einmal gegeben. Nach einer langen Regenperiode wollten die Meteorologen einen auf Gutwetter machen und sagten Sonne voraus. Als sie ausblieb, war die Enttäuschung um so größer.

Die einhellige Fehlprognose, der sich alle konkurrierenden Wetterunternehmen angeschlossen hatten, trug ganz wesentlich dazu bei, dass dieses Jahr als ein Jahr mit schlechtem Wetter in Erinnerung bleibt.

Überdurchschnittlich schönes Jahr

Als jetzt der Deutsche Wetterdienst am Dienstag schon wieder vorauspreschte und seine 29 Grad vorhersagte, übte Kachelmanns Wetteragentur Meteomedia/Meteofax Zurückhaltung. Dafür gebe es noch nicht genügend Hinweise, hieß es. Daher sei man eher vorsichtig. Gestern nun glichen sich die Vorhersagen einander an. Auch Meteofax sagt für das Wochenende eine Rückkehr des Sommers voraus. In weiten Teilen Deutschlands werden Sonnenschein und wärmere Temperaturen vorherrschen.

In Berlin sollen es 22 bis 23 Grad sein, sagt Tanja Lamprecht von Meteofax.

Die vom Deutschen Wetterdienst für Süddeutschland vorhergesagten 29 Grad hält sie für übertrieben, aber es sei nicht auszuschließen, dass in warmen Gegenden am Oberrhein, zum Beispiel am Kaiserstuhl, 27 oder 28 Grad erreicht würden.

Das herbstliche Wetter in Deutschland war also nur ein Zwischenspiel. Zwar sorgt Tief "Thekla" noch bis zum Donnerstag für viel Regen und mäßige Temperaturen unter der 20 Grad-Marke, aber schon am Freitag werde sich "Thekla" über Skandinavien auflösen, sagte Meteorologe Olaf Pels Leusden vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach am Mittwoch voraus.

Damit ist der Weg frei für eine Rückkehr des Sommers im größten Teil Deutschlands. Es wird vielerorts nicht ganz zum Baden reichen, aber Spaziergängen im Sonnenschein steht nichts im Wege. Am Freitag soll der Luftdruck rasch steigen, und im Süden wird es nach Auflösung von Frühnebel schon sonnig und bis 23 Grad warm. Lediglich im Norden halten sich hartnäckig Wolken, an der Küste gibt es Regen bei frischem Wind und 16 Grad.

Wie weit die Wolkendecke von der Küste am Samstag ins Landesinnere reicht, stand am Mittwoch noch nicht fest. "Mit etwas Pech reichen die Wolken bis ins mittlere Niedersachsen", sagte Pels Leusden. Darunter erreichen die Temperaturen nur Werte um 19 Grad.

Im übrigen Deutschland herrscht dann aber wieder Picknick- und Biergartenwetter: Bei viel Sonnenschein klettern die Temperaturen auf 22 bis 25 Grad, im Südwesten in Ausnahmefällen vielleicht deutlich darüber. Am Sonntag legen die Temperaturen noch etwas zu und bleiben in der Mitte und im Süden Deutschlands - laut Deutschem Wetterdienst - nur knapp unter der 30 Grad-Marke, sonst liegen sie bei 23 Grad. Am Montag werde es zwar warm bleiben, aber es ziehen wieder mehr Wolken auf. Im Südwesten kann es auch Gewitter geben. Auch für die folgenden Tage sei kein Kaltlufteinbruch in Sicht.

Es gibt eine kleine Unsicherheit, vor allem, was das Wetter in Brandenburg und Berlin angeht, auf die Meteofax vorsichtshalber hinweist. Nördlich von Berlin verläuft eine Luftmassengrenze. Südlich davon ist es schön, nördlich davon kühl und feucht. Wandert diese Luftmassengrenze wider Erwarten am Wochenende nach Süden, wird es nichts mit dem angesagten Sommerwetter.

Aber in diesem Jahr wurde in Sachen Wetter viel zu viel Pessimismus und Missmut verbreitet. Das Jahr war nämlich gar nicht so schlecht, wie es viele empfanden. Normal sind 33 Sommertage (25 Grad und mehr) und 6 heiße Tage (30 Grad und mehr). In diesem Jahr wurden aber bereits 42 Sommertage registriert und 9 heiße Tage. Das liegt deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Und der Spätsommer hat ja gerade erst angefangen. Wer weiß, was die nächsten Tage und Wochen bringen. Im letzten Jahr gab es im September 16 Sommertage. Das war allerdings ein 200-Jahre-Rekord.

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