• Der Waffenbesitzer von nebenan US-Zeitung veröffentlicht Personendaten im Netz

Welt : Der Waffenbesitzer von nebenan US-Zeitung veröffentlicht Personendaten im Netz

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Ein Aktivist protestiert gegen das Programm „Waffen gegen Gutscheine“. Foto: AFP
Ein Aktivist protestiert gegen das Programm „Waffen gegen Gutscheine“. Foto: AFPFoto: AFP

Steht das verbriefte Recht des US-Bürgers, Waffen zu besitzen, gleichwertig neben dem Recht seiner Mitbürger, zu wissen, wer Waffen besitzt? Nach Ansicht von „The Journal News“, einem Lokalnachrichtenverbund im Süden des Bundesstaats New York, ist dem so. Weshalb die Redaktion jetzt Daten über Waffenbesitzer in verschiedenen Bezirken (County) zusammengetragen und im Falle von zwei Countys auf einer interaktiven Karte im Netz veröffentlicht hat.

Klickt man auf die roten Punkte auf der Karte von Westchester County oder auf die blauen und lilafarbenen Punkte auf der Karte von Rockland County, poppt jeweils der Name eines Waffenbesitzers auf, samt Adresse. Die Redaktion hat die Informationen nach dem Massaker in der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown im benachbarten Connecticut auf Grundlage erteilter Waffenscheine unter der Überschrift „Wo sind die Waffenscheinbesitzer in Ihrer Nachbarschaft?“ zusammengestellt. Alle Daten seien nach dem Informationsfreiheitsgesetz öffentlich zugänglich, versichert die Redaktion. Und bezieht sich auf einen Experten, der auch die Veröffentlichung für rechtens halte. Wohl um zu zeigen, dass man sich nicht für die besseren Bürger hält, gibt der Autor des Artikels Informationen zu den Waffen preis, die er selbst besitzt: Eine Smith & Wesson 686.357 Magnum.

„The Journal News“-Herausgeberin Janet Hasson steht nun allerdings ihrerseits auf einer interaktiven Liste: Gegner der Aktion haben unter der Überschrift „Wo sind die Journal-News-Angestellten in Ihrer Nachbarschaft?“ deren Daten veröffentlicht. Und diese Informationen sind weitaus umfangreicher als das, was „Journal News“ zur Verfügung stellt. Bei der Zeitung selbst wie in vielen Netzforen haben Zehntausende Zustimmung oder Ablehnung gepostet. Vor allem wird kritisiert, dass die Liste überhaupt nicht differenziere, warum jemand das Recht beantragt habe, eine Waffe zu besitzen.

Wegen des Amoklaufs in Newtown wurde einem Bericht der Agentur AFP zufolge in diesem Jahr eine Aktion vorgezogen, bei der in Los Angeles jährlich Waffen gegen Supermarkt-Gutscheine eingetauscht werden, kleine gegen einen 100-Dollar-Coupon, größere für 200 Dollar. Die Waffen sollen eingeschmolzen werden. Aktivisten der Waffenlobby versuchten daraufhin, den Abgabewilligen die Waffen abzukaufen. Barbara Junge

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