Welt : Detektive: Schnüffeln am Tatort Arbeitsplatz

Christian Ebner

Der nervenaufreibende Auftrag aus dem Munde einer atemberaubend schönen, aber mysteriösen Frau ist für deutsche Privatdetektive reine Fiktion. So fangen alte Detektivfilme mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle an, aber nicht der Arbeitstag von Männern wie Manfred Lotze, Chef der Düsseldorfer Firma "Detektive Kocks". "Wir sind meist am Tatort Arbeitsplatz tätig", sagt der Landesvorsitzende Rheinland und Westfalen im Bundesverband Deutscher Detektive (BDD).

Noch nicht einmal ein Drittel ihrer Aufträge erhalten die Ermittler von Privatleuten, berichtet BDD-Geschäftsführer Josef Riehl. Wirtschaftskriminalität, Korruption, Industriespionage und das Misstrauen gegenüber den eigenen Mitarbeitern in Unternehmen sorgt für florierende Geschäfte: Die meisten der rund 1000 hauptberuflichen Detektive forschen angeblich kranken Mitarbeitern hinterher, bringen betrügerische Kassiererinnen in Versuchung, oder jagen im Auftrag von Handwerkskammern und anderen Verbänden Schwarzarbeiter.

Lotze plädiert für mehr Kontrolle statt Gutgläubigkeit in den Betrieben. Das beginne schon bei Bewerbungen. Die Personalabteilungen machten sich nur selten die Mühe, sich Originale von Zeugnissen vorlegen zu lassen. "Ungefähr 30 Prozent aller Bewerbungen sind getrickst", glaubt der von Beruf misstrauische Lotze. Die Manipulationen reichten bis zu gefälschten Diplomen. Es häufen sich auch die Ermittlungen im Auftrag von Mobbing-Opfern. Dabei gerät nicht selten der Chef ins Visier, denn "Bossing" ist eines der häufigsten Phänomene in diesem Bereich menschlichen Zusammenlebens.

Um den eigenen Leumund machen sich die Detektive ebenfalls Sorgen, denn die ungeschützte Berufsbezeichnung "Detektiv" darf jeder führen, der will. Gemeinsam mit den beiden Konkurrenzverbänden Bund Internationaler Detektive (BID) und dem Deutschen Detektiv-Verband (DDV) unterhält der BDD eine Ausbildungsakademie. Erst nach zwei Jahren Praktikum, rund 50 Studienbrief-Lektionen, Blockseminaren und einer Sachkundeprüfung darf sich der Nachwuchs Detektiv nennen. In die männerdominierte Branche drängen immer mehr Frauen: Ihr Anteil bei den Einsteigern liegtinzwischen bei etwa 20 Prozent.

Ermittlungen in Strafsachen sind die absolute Ausnahme im Berufsalltag: Die Kreativität der literarischen Kollegen wie Sam Spade oder Sherlock Holmes können die Detektive aber dennoch an den Tag legen, wenn beispielsweise Streitigkeiten im Straßenverkehr oder unter Nachbarn aufgeklärt werden müssen. Eher technisch sind Aufgaben wie die Lauschmittelabwehr, wenn jemand Angst hat, abgehört zu werden. Selbst dürfen die Detektive keine Wanzen benutzen. Das Observieren per Kamera ist hingegen oft erlaubt, besonders in den Geschäftsräumen der Auftraggeber.

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