Welt : Die Callas-Diät

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Seit sie als lyrischdramatische Sopranistin berühmt und in aller Welt begehrt war, hatte Maria Callas nur einen Wunsch: so schlank zu sein wie Audrey Hepburn. Gioconda 92, Aida 87, Norma 80, Medea 78, Lucia 75, Alceste 65, Elisabetta 64 – so protokollierte sie 1953/54 den Weg zu ihrem Idealgewicht. Die primadonna assoluta war innerhalb weniger Monate um 28 Kilo leichter geworden. Als Schauspielerin erschloss sie sich nun neue Dimensionen, stimmlich aber bedeutete diese radikale Abmagerungskur – darin sind sich die Experten bis heute einig – den Anfang vom Ende. Die junge Callas besaß die Energie und die Kraft einer Leistungssportlerin, und über eben diese Kraft hat sie nach ihrem Gewichtsverlust einfach nicht mehr verfügt.

Ohnehin glaubte im 20. Jahrhundert niemand mehr an das Ammenmärchen vom sängerischen „Resonanzboden“. Gewiss, es gab und gibt in der Szene korpulente Erscheinungen wie Luciano Pavarotti, Jessye Norman oder Montserrat Caballé. Die oder der moderne Hochdramatische aber hat längst gelernt, mit ihren/seinen physischen Gegebenheiten verantwortlich umzugehen. Im Alltag heißt das: Fitness statt Nulldiät. Dass mit Deborah Voigt, Alessandra Marc und Sharon Sweet derzeit drei Amerikanerinnen das Ranking in der oberen Gewichtsklasse anführen, legt den Finger also in eine ganz andere Wunde. Le.

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