Die FBI-Übersetzerin und Denis Cuspert : Verliebt in einen IS-Terroristen

Die Geschichte ist unglaublich. Die FBI-Übersetzerin Daniela Greene hat sich in den Berliner IS-Terroristen Denis Cuspert verliebt.

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Der damalige Rapper Deso Dogg, mit bürgerlichem Namen Denis Cuspert, posiert am 20.06.2005 in Berlin.
Der damalige Rapper Deso Dogg, mit bürgerlichem Namen Denis Cuspert, posiert am 20.06.2005 in Berlin.Foto: dpa

Daniela Greene will in der Öffentlichkeit nicht über ihre Vergangenheit reden. „Wenn ich sprechen würde, wäre meine Familie in Gefahr“, sagt die 38-Jährige dem TV-Sender CNN. Der fand die ehemalige FBI-Übersetzerin in einer Hotel Lounge irgendwo in den USA, wo sie nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis im vergangenen Jahr inzwischen als Hostess arbeitet. Mehr wolle sie nicht sagen, erklärte sie. Mehr lässt sich jedoch aus einem Teil der Gerichtsakten erfahren, der in dieser Woche erstmals von CNN eingesehen wurde. Demnach stand Daniela Greene im Mittelpunkt einer der erstaunlichsten und unglaublichsten Spionagegeschichten der jüngsten Zeit.

Als FBI-Übersetzerin erhielt Daniela Greene vor mehr als drei Jahren die Aufgabe, die Kommunikation des Berliner IS-Terroristen Denis Cuspert, der als Rapper auch unter dem Namen Deso Dogg bekannt war, in Syrien zu überwachen. Die in der Tschechoslowakei geborene Frau hatte länger in Deutschland gelebt, dann einen US-Amerikaner geheiratet und war in die USA ausgewandert.

Während ihrer Arbeit für das FBI gab sie die Kommunikation aus einigen Skype-Accounts an das FBI weiter – und chattete nebenher über einen dritten Zugang geheim mit dem international gesuchten Top-Terroristen. Dabei verliebte sich Daniela Greene schon bald in Denis Cuspert und reiste ihm im Sommer 2014 über Istanbul in das syrische Kriegsgebiet nach. Wie ihr das als Frau, US-Amerikanerin und FBI-Mitarbeiterin gelingen konnte, ohne von einer der Kriegsparteien gefangen genommen oder getötet zu werden, bleibt rätselhaft.

Es gelang ihr, aus dem Kriegsgebiet herauszukommen

Im Juni 2014 heiratete sie dann sogar jenen Mann, der als deutsche Stimme der Terrormiliz "Islamischer Staat" gilt und der auf Videos mit abgeschlagenen Köpfen posiert. Innerhalb weniger Wochen an Cusperts Seite im Kriegsgebiet wurde ihr bewusst, dass sie einen schweren Fehler begangen hatte. „Diesmal habe ich viel Mist gebaut“, schrieb sie im Juli 2014 in einer Mail. „Ich war schwach und wusste nicht mehr, was ich tun sollte“, heißt es in einer anderen. Im August gelang es Daniela Greene, aus dem vom IS kontrollierten Gebiet wieder herauszukommen. Wie, das geht aus den bisher veröffentlichten Unterlagen nicht hervor. Zurück in den USA wurde Daniela Greene verhaftet.

Sie erklärte sich im folgenden Gerichtsprozess für schuldig, „falsche Angaben über den internationalen Terrorismus“ gemacht zu haben, berichtet CNN. Und erhielt eine ungewöhnlich kurze Haftstrafe: zwei Jahre. Doch die aus ihrer Kooperation und ihrem Geständnis gewonnenen Informationen waren offenbar für die US-Geheimdienste von größerem Wert. Im Sommer 2016 kam sie aus dem Gefängnis frei.

Zur Ergreifung oder Tötung von Denis Cuspert aber haben ihre Angaben wohl noch nicht geführt. Der Berliner wird zwar seit 2015 vom US-Außenministerium als gesuchter Terrorist geführt. Auch gab es immer wieder Meldungen, Denis Cuspert sei bei US-Angriffen getötet worden. Doch zurzeit gehen deutsche Sicherheitskreise davon aus, dass er weiterhin am Leben ist.

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