Welt : Die große Ratlosigkeit

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Kinder unter 14 Jahren sind nicht strafmündig, auch wenn sie noch so viele Straftaten begehen. Doch kaum haben sie ihren 14. Geburtstag gefeiert, können auch junge Täter verurteilt werden. Für das Jahr 2001 (1993: 88 276) wies die Polizei in ihrer Kriminalstatistik 143 045 Tatverdächtige bis 14 Jahre aus. Zwischen 14 und 18 Jahre sind es 298 983 Jugendliche (1993: 207 944).

Spektakuläre Fälle junger Krimineller mit einer Vielzahl von Vergehen sind aber eher die Ausnahme. „Eigentlich gibt es nur sehr wenige jugendliche Serienstraftäter in Deutschland. Ernsthafte Problemfälle gibt es hier so um die 100“, sagt der Jenaer Pädagogikprofessor Michael Winkler. Allerdings kritisiert er, dass es in Deutschland keine ordentliche Daten über Mehrfachtäter bei Kindern und Jugendlichen gibt. Irreführend ist für den Pädagogikprofessor auch der Begriff „Serienstraftäter“. Denn schließlich sei nicht nur die Anzahl der Straftaten, sondern auch die Schwere zu berücksichtigen. „Man muss differenzieren: Wenn ein 15Jähriger einen Totschlag begeht, ist das schlimmer, als wenn er 15 Mal einen Automaten aufbricht.“

Viele Kinder und Jugendliche machen sich in Gruppen strafbar. Oftmals kommt es dann auch zu mehreren Delikten: Jacken klauen, Prügeleien, Drogenmissbrauch. Richter, Staatsanwälte und Pädagogen wissen oftmals nicht mehr, was sie noch mit jungen Mehrfachtätern machen sollen. 2001 saßen 841 Täter zwischen 14 und 18 (Statistisches Bundesamt, Stichtag 31. März 2001) im Gefängnis. Andere sind beispielsweise in Jugendheimen oder bei Pflegeeltern untergebracht. Die Suche nach Alternativen geht weiter. app

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