Die Handschrift : Meine geliebte C.

In Finnland sollen die Kinder keine Handschrift mehr lernen. Sie sollen vermehrt auf der Tastatur gelehrt werden. Und was, fragt sich unser romantisch veranlagter Kolumnist Helmut Schümann, wird dann aus Liebesbriefen?

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Es ist gut, dass ich hier in Druckschrift schreiben kann, auf einer Tastatur. In Handschrift hatte ich immer eine schlechte Beurteilung. Dabei habe ich sogar noch Sütterlin lesen lernen müssen. Ach, es ist furchtbar, man muss ja heutzutage, das Alter bringt es mit sich, alles erklären. Also, die Handschrift wurde mal benotet. Handschrift ist das, was man nicht auf der Tastatur schreibt. Man schreibt mit der Hand. Das macht man auch auf der Tastatur, mit den Fingern, manche mit allen zehn, andere, ich, mit zweien, den Zeigefingern. Eine Handschrift aber ist mehr. Bei der hat man zum Beispiel einen Füller in der Hand. Was ein Füller ist? Das ist ein länglicher Gegenstand, einem Kugelschreiber oder Bleistift nicht unähnlich, das wird man ja wohl noch wissen, was ein Kugelschreiber und was ein Bleistift ist. Dieser ominöse Füller hat vorne eine metallene Spitze, Feder genannt, und man kann ihn mit Tinte füllen. Deswegen heißt so ein Füller korrekt auch Füllfederhalter. Tinte ist Farbe. Und dann kann man mit der Tinte, die langsam, aber stetig in die Spitze der Feder läuft, Buchstaben malen, sozusagen kalligrafieren.

Die, die das gut können, malen die Buchstaben so, dass andere sie lesen können. Die haben auch eine gute Beurteilung bekommen. Ich kann das nicht, noch heute ist meine Handschrift eher krakelig als leserlich.

Aber immerhin kann ich mit der Hand schreiben. Die Finnen können es bald nicht mehr. Die Finnen fangen jetzt an, die Handschreibschrift abzuschaffen. Die Kinder in den Schulen sollen künftig nur noch auf der Tastatur schreiben lernen. Ob Nokia hinter dem Plan steckt, ist nicht gewiss, aber denkbar. Mit der Hand schreibt man in der Regel langsamer, man koordiniert sich besser und denkt mehr nach. Also ist schon allein wegen der Praxis so eine Handschrift nicht das Schlechteste. Außerdem ist sie individuell. Es wird wohl keine zwei Menschen auf der Welt geben, die ein und dieselbe Handschrift haben. In meinem Fall schon mal gar nicht. Deswegen müssen wir wichtige Dokumente, Verträge, Ausweise usw. unterschreiben. Mit der Hand. Weil jede Unterschrift anders ist. Und noch etwas geht verloren ohne Handschrift. Vielleicht nur für Romantiker. Es mag ja Menschen geben, die alles über Whatsapp regeln. Selbst Liebesbriefe. Es gibt aber auch Menschen, die finden ein auf Papier handgeschriebenes „Meine geliebte C.“ wesentlich liebevoller. Was jetzt nun Papier ist, erzähle ich beim nächsten Mal.

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