Welt : Die Märchenhochzeit eines Traumpaares

CHRISTIAN BÖHME

Am Sonnabend geben sich die spanische Infantin Cristina und der Handballer Iñaki Urdangarin das Ja-WortVON CHRISTIAN BÖHME Die Beobachter sind sich ausnahmsweise mal einig: Die beiden - einfach ein Traumpaar.Keine Vernunftehe wird das, wie es in diesen hohen Kreisen oft üblich ist, nein, eine richtige Liebesheirat kann gefeiert werden.Ganz zu schweigen von den politisch-gesellschaftlichen Signalen, die von der Trauung ausgehen - ein Mitglied der Königsfamilie schließt erstmals mit einem Bürgerlichen den Bund fürs Leben, und der ist zudem noch ein Baske.Selbst der Bräutigam verriet, das sei alles wie in einem Märchen. Kein Zweifel, wenn die Infantin Cristina und der Profihandballer Iñaki Urdangarin sich am kommenden Sonnabend nach einer fünfmonatigen Verlobungszeit das Ja-Wort geben, erlebt Barcelona die Hochzeit des Jahres.Allein 1400 Gäste, darunter die gekrönten Häupter Schwedens und Norwegens, werden die Zeremonie in der riesigen gotischen Kathedrale verfolgen, rund 3300 Medienvertreter für ein Millionenpublikum in aller Welt von dem Ereignis berichten - 1000 mehr als bei der Heirat der Infantin Elena mit Jaime de Marichalar in Sevilla vor gut zwei Jahren.Ebenso groß ist allerdings auch das Aufgebot der Sicherheitskräfte, das wohl vor allem die Schaulustigen am Straßenrand im Zaume halten muß.Und die werden einiges zu sehen bekommen. Die 32jährige Königstochter und der 29jährige Sportler des FC Barcelona wollen den jetzt schon mit Fahnen und weißen Blumen geschmückten Weg vom Palais der Monarchenfamilie zum wenige Kilometer entfernten Altar in einem Rolls Royce zurücklegen.Also genug Gelegenheit zum Jubeln.Die Zeremonie in der eigens zu diesem Anlaß frisch renovierten und besonders beleuchteten Kirche ist dann jedoch nur noch etwas für die ausgewählten Ehrengäste und die Menschen vor den Fernsehgeräten.Politisch korrekt soll der Gottesdienst dreisprachig sein: Kastilisch, Katalanisch und Baskisch.Nach der Trauung werden die Eltern der Braut, König Juan Carlos und Königin Sofía, im Palacio de Pedralbes ein großes Festbankett geben. Doch was wird die Prinzessin für ein Brautkleid tragen, wer durfte es entwerfen? Schon seit fünf Monaten rätselt man in Spanien über diese Fragen.Vor wenigen Tagen sickerte durch, daß vermutlich ein Madrider Modeschöpfer mit italienischer Abstammung den Zuschlag bekommen hat.Was er sich hat einfallen lassen, bleibt allerdings noch bis Sonnabend morgen ein Geheimnis.Nur eines ist schon bekannt: Das Brautkleid mit kurzer Schleppe wird eher klassisch-schlicht sein. Etwas üppiger fallen dagegen die Hochzeitsgeschenke aus.Der König schenkte seiner zweitältesten Tochter und seinem künftigen Schwiegersohn schon mal vorab einen Titel.Herzöge von Palma de Mallorca dürfen sich die beiden nennen.Ansonsten können sich Cristina und Iñaki schon jetzt über wertvolle Teppiche und Faksimiles aus allen Ecken des Landes sowie ein andalusisches Mauleselpärchen freuen.Wo die beiden Tiere in Zukunft leben werden, ist noch nicht geklärt.Wohl kaum im neuen Zuhause des Brautpaares.Schon vor einiger Zeit hat der Bräutigam seine eigenen vier Wände aus Junggesellenzeiten an einen kroatischen Kollegen verkauft, um nach der Hochzeit mit der Braut in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen.Auch für Cristina ist das eine neue Erfahrung.Denn bis vor kurzem lebte sie mit ihrer Cousine Prinzessin Alexia zusammen. Ansonsten wird sich wohl im Alltag des Traumpaares kaum etwas ändern.Iñaki hat bereits erklärt, daß er trotz der neuen Verpflichtungen als Mitglied des Königshauses weiterhin an seiner Karriere als Handballer festhalten will.Aus Sicht des 1.97 Meter großen Sportlers ist das durchaus verständlich.Der Mann mit den blonden Haaren gehört seit Jahren zu den besten Handballern seines Landes.Mit seinem Verein und der Nationalmannschaft hat der Linkshänder bereits zahlreiche Titel geholt.So fleißig er beim Sammeln von Trophäen ist, so säumig ist der Student der Betriebswirtschaft allerdings beim Zahlen seiner Steuern.Vor seiner Heirat mußte Iñaki deshalb erst einmal seine Schulden begleichen, Mitglied der königlichen Familie hin oder her.Bescheiden und natürlich sei er dennoch geblieben, versichern diejenigen, die ihn näher kennen. Genau diese Natürlichkeit ist es, die die Spanier auch an der Infantin so schätzen.Große Auftritte in der Öffentlichkeit liegen der 1965 in Madrid geborenen Frau nicht.Sie geht gerne ihren eigenen Weg.So studierte Cristina zunächst in der spanischen Hauptstadt, dann in London und den USA Politikwissenschaften.1989 hatte sie als erstes weibliches Mitglied des Königshauses einen Universitätsabschluß in der Tasche. Seit 1992 lebt die Infantin in Barcelona, wo sie für eine Kulturstiftung arbeitet.In der katalanischen Hauptstadt hat die Hobbyfotografin, die sich sozial als Ehrenvorsitzende der Unesco in Spanien engagiert, auch ihren zukünftigen Ehemann kennengelernt.Und seitdem hat man beide ab und zu in Jeans und Turnschuhen durch die Straßen spazieren sehen - wie jedes "normale" Paar.

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