• Die Pannenserie reißt nicht ab - ausgerechnet der Französische Euro-Disney-Manager soll das Prestige-Objekt nun retten

Welt : Die Pannenserie reißt nicht ab - ausgerechnet der Französische Euro-Disney-Manager soll das Prestige-Objekt nun retten

Juliette Baillot

Welche Kränkung für das britische Empire: Ein Franzose, der noch dazu für den amerikanischen Disney-Konzern arbeitet, soll das jüngste Prestige-Objekt der Insel retten, den Londoner Millennium-Dome. Der "Sunday Mirror" fasste die schlechte Nachricht in einer Fotomontage zusammen. Hinter dem riesigen Bauwerk tauchten die Ohren von Micky Maus auf, und der Titel dazu lautete: "Ein Franzose aus Disneyland wird neuer Boss vom Dome". Gemeint ist der 34-jährige Pierre-Yves Gerbereau, der den Posten der bisherigen Direktorin Jenny Page (55) übernimmt. Die Britin musste den Hut nehmen, weil die Pannenserie um das 2,4 Milliarden Mark teure Kultur- und Ausstellungszentrum nach der Eröffnung in der Silvesternacht einfach nicht abreißen wollte.

Der 50 Meter hohe Bau war vor fünf Wochen Mittelpunkt der offiziellen britischen Silvester-Feiern. Seither dient er als Konzerthalle für ein Musical des früheren Genesis-Stars Peter Gabriel oder Ausstellungen. Umstritten ist das das teure Bauwerk aber geblieben. Um die Kosten wieder hereinzubekommen, setzte die Stadt London den Eintrittspreis auf stolze 20 Pfund (rund 63 Mark) an. Trotzdem hofft sie, dass innerhalb eines Jahres zwölf Millionen Besucher kommen. Theoretisch finden auf einer Fläche von 80 000 Quadratmetern jeden Tag 35 000 Leute Platz. Tatsächlich liegen die Zahlen aber bislang deutlich niedriger. So betraten im Januar nur gut 360 000 Menschen das Gebäude.

Nun soll der Disney-geschulte Gerbereau neuen Schwung ins Kulturmanagement bringen. "Das ist ein lebhafter, aufgeschlossener Mann", sagt ein Dome-Sprecher. "Und ich bin sicher, dass er alle durch seine Ideen und seine Begeisterungsfähigkeit beeindrucken wird." Der Jung-Manager war bereits einigermaßen erfolgreich bei der Aufgabe, das Image des Eurodisney-Parks in der Nähe von Paris aufzupolieren. Einen besseren Ruf hat auch der Millennium-Dome bitter nötig.

Nicht nur, dass in der Silvesternacht 3000 der 10 000 Gäste im Regen warten mussten, weil sie ihre Einladungskarten nicht rechtzeitig bekommen hatten. Auch die ersten zahlenden Besucher fanden sich in endlosen Schlangen wieder, um in die 14 Ausstellungsbereiche vorzudringen. Diese wiederum waren zwar als futuristisch angekündigt, zeichneten sich aber vor allem durch technisches Versagen aus. Die britischen Zeitungen sehen dies als Kränkung für die Regierung von Tony Blair. Die hatte sich vor der Jahrtausendwende nämlich stets damit gebrüstet, wie großartig in Großbritannien die Millenniums-Feiern vorbereitet würden. Nun muss ausgerechnet diese Regierung nicht nur feststellen, dass der Jahrtausend-Dome gar nicht so großartig geworden ist, sondern muss auch noch mitansehen, wie ein Franzose den damit verbundenen Schlamassel wieder in Ordnung bringen soll.

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