Welt : Diesjähriges Hauptthema der Karnevalisten sind die Politaffären (Kommentar)

Die Spendenaffäre der CDU und die Flugaffäre der SPD machen den Büttenrednern in den Karnevalshochburgen an Rhein und Main mächtig Arbeit. "Ich muss täglich Radio hören, damit ich am Abend auf der Sitzung nicht irgendeine Pointe bringe, die durch die aktuellen Ereignisse in Berlin, Wiesbaden oder Düsseldorf vielleicht schon wieder veraltet ist", berichtet ein Profi-Narr aus der Domstadt.

Fast in jeder Karnevalssitzung an Rhein und Ruhr taucht in den jecken Reden zumindest verbal der geheimnisvolle schwarze Geldkoffer der CDU auf. Der Kölner Büttenredner Willibert Pauels bringt seine zusammenklappbare Bütt mit auf die Bühne und meint verschmitzt: "Keine Angst, das ist nicht der Spendenkoffer, der müsste ja sonst schwarz sein."

Auch Fritz Schopps, im Hauptberuf Lehrer und vor den tollen Tagen im Dauereinsatz, lässt in seinen Spottreden die CDU nicht ungeschoren. "Wenn plötzlich wieder neue CDU-Millionen in Hessen entdeckt werden, das macht den Kohl dann auch nicht mehr fett", kalauert der überzeugte Karnevalist. Ein anderer Narr besingt in der Melodie eines alten Schlagers "Eine neue Spende ist wie ein neues Leben".

In Düsseldorf haben Büttenredner natürlich auch den Skandal um die Vielfliegerei von SPD-Landesministern in den Charterjets der WestLB im Auge. "Mit Flug und Recht", heißt es da etwa in einer Pointe über Ehrlichkeit bei den Genossen, oder auch "Über den Wolken gibt es nur noch die Westdeutsche Landesbank". Auch CDU-Generalsekretärin Angela Merkel wird in manchen närrischen Auftritten bemüht. "Die verteilt ja jetzt Viagra, damit die Partei wieder hochkommt", dichtete ein Büttenredner in der Domstadt. Ein anderer verfasste eine Art Glaubensbekenntnis zur Spendenaffäre: "Ich glaube an Helmut Kohl, die Gemeinschaft der schwarzen Kassen und das ewige Verarschen der Bürger".

"Von den Ereignissen überrollt"

Während die Büttenredner noch relativ schnell auf Veränderungen bei den aktuellen Polit-Skandalen reagieren können, sind die Wagenbauer der Rosenmontagszüge da schon schlechter dran. In Düsseldorf sagt ein Profi-Jeck: "Die Wagenbauer werden von den politischen Ereignissen überrollt". Die meisten Wagen sind fast fertig, die Gestaltung von zweien halten sich die Narren jedoch für die Politik-Highlights bis zum Schluss offen. Die Wagenbauer in Köln haben derzeit nach Angaben von Zugleiter Alexander von Chiari "noch einen Wagen mit Schäuble drin". Der sitzt am Steuer mit Angela Merkel auf dem Beifahrersitz und von hinten greift ihm Ministerpräsident Edmund Stoiber ins Lenkrad.

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