Doppelmord in Bayern : Abschied von Chiara und Sharon

In Krailing hat am Dienstagabend ein Trauergottesdienst für die beiden ermordeten Mädchen statt gefunden. Wie weit die Ermittlungen in dem rätselhaften Fall fortgeschritten sind, lässt sich nur schwer beurteilen. Die Ermittler halten sich weiter bedeckt

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Trauer in Krailing: Die Bevölkerung nimmt Abschied von den beiden ermordeten Mädchen.
Trauer in Krailing: Die Bevölkerung nimmt Abschied von den beiden ermordeten Mädchen.Foto: dpa

Auf dem Gehweg vor dem gelb-orangenen Haus in der Kraillinger Margaretenstraße wird es von Tag zu Tag voller. Kerzen werden aufgestellt, Blumen und kleine Teddybären hingelegt. Kinder kommen an den Ort und ältere Menschen, die meisten von ihnen bleiben schweigend eine kurze Zeit vor dem Haus stehen. Vor sechs Tagen sind im ersten Stockwerk die beiden Schwestern Chiara (8 Jahre alt) und Sharon (11) in der Nacht auf überaus brutale Weise erschlagen und erstochen worden. Der Täter ist bisher nicht gefasst.

Am Dienstagabend nahm die Bevölkerung mit einem Trauergottesdienst in der St-Elisabeth-Kirche im Nachbarort Planegg Abschied von den beiden Mädchen. Wie weit die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft in dem fünf Kilometer südwestlich von München gelegenen Ort gediehen sind, lässt sich nur schwer beurteilen – denn es dringen keine Informationen nach draußen. „Wir geben keinerlei Auskunft zu konkreten Spuren“, sagt Oberstaatsanwalt Ken-Oliver Heidenreich. Der Mörder soll nicht wissen, wie viel die Beamten wissen.

Offenkundig ist aber, dass in der Wohnung, in der die Kinder mit ihrer Mutter Anette S. (41) wohnten, fremde DNA-Spuren gefunden worden sind. Denn einige Stammgäste der nur drei Häuser weiter gelegenen Musikkneipe „Schabernack“ sind zum DNA-Test bestellt worden. Offenbar ergebnislos. Anette S. hat im „Schabernack“ gelegentlich bedient, so auch in der Tatnacht bis in den frühen Morgen. Das Lokal wird von ihrem Freund Klaus P. (52) betrieben. Als die beiden gegen 4.45 Uhr in die Wohnung kamen, fanden sie die toten Kinder. Haus- und Wohnungstür ließ Anette S. immer bewusst offen, wenn sie zur Arbeit ging, damit die Mädchen im Falle eines Brandes entkommen konnten.

Wer wusste das noch? Vermutlich der Täter, denn er gelangte problemlos ins Haus, Einbruchspuren gibt es keine. Die Polizei sucht nun wohl den Mörder im Umfeld der Familie. Der Täter muss die örtlichen Gegebenheiten gekannt haben. Ob die DNA überhaupt vom Täter stammt oder nur von einer anderen Person, die in der Wohnung war, ist unklar. Ganz offensichtlich ist aber, dass weder die Mutter noch deren Freund oder der Vater der Kinder, der seit längerem in Hamburg lebt, zu den Verdächtigen zählen. In der Wohnung wurden ein Messer und eine Trainings-Hantel gefunden, die mit der Tat in Verbindung gebracht werden.

Die Polizei setzt nun alles ein für einen schnellen Erfolg: Gestern wurde die Sonderkommission „Margarete“ (benannt nach der Margaretenstraße) von 20 auf 31 Beamte aufgestockt, hinzugekommen sind auch „Profiler“, die mögliche Täterprofile entwickeln.

Die Menschen in Krailling sind wie vor den Kopf gestoßen angesichts des grausamen Verbrechens in ihrem Ort. Krailling hat 7500 Einwohner. Es herrschen Trauer, Entsetzen und Wut. Je weniger Informationen von den Ermittlern an die Öffentlichkeit kommen, umso mehr Spekulationen sprießen. Könnte der Täter im Internet Kontakt zu den Mädchen geknüpft haben? Besonders die ältere Sharon war im Netz unterwegs. Auch macht das Gerücht die Runde, Anette S. habe im „Schabernack“ Streit mit einem Gast gehabt, der dann Drohungen gegen sie ausstieß. Zu all dem gibt es keine offizielle Bestätigung.

So steht sich ein Häufchen Fernsehleute und Reporter vor dem Haus weiter die Beine in den Bauch. Sie treffen etwa auf eine Mitschülerin von Sharon, welche in die 6. Klasse des wenige Kilometer entfernten Kurt-Huber-Gymnasiums in Gräfelfing ging. „Sie war immer fröhlich gewesen“, sagt das blonde Mädchen.

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