Dr. med. Eckart von Hirschhausen : Kleine Humorheilkunde - Folge 19

Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Kabarettist, beschreibt in einer Serie im Tagesspiegel drei Wochen lang täglich an Beispielen, wie Humor funktioniert. Lesen Sie hier die Folge 19.

Dr. med. Eckart von Hirschhausen
Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Kabarettist, Foto: Frank Eidel
Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Arzt und Kabarettist,Foto: Frank Eidel

Zuerst der Witz:

Der große Dirigent Otto Klemperer ist bei einem fremden Orchester zu Gast und probiert Bruckners „Siebte“. Um sich den nötigen Respekt für sein außergewöhnlich feines Gehör zu verschaffen, klopft er an einer bestimmten Stelle ab mit der Bemerkung: „Das 3. Horn ist viel zu laut.“ Das Orchester schmunzelt, nur ein Novize macht sich wichtig: „Aber Herr Doktor, das 3. Horn ist ja noch gar nicht da.“ Darauf Klemperer geistesgegenwärtig: „Dann sagen Sie es ihm, wenn er kommt!“

Über Dirigenten gibt es viele Anekdoten und Witze. Warum? Es sind oft spezielle Charaktere, die sich in eine solche exponierte Führungsposition begeben und behaupten. Und entsprechend hoch ist die „Fallhöhe“, wenn in den heiligen Hallen der edelsten Musik etwas schiefgeht oder gar gelacht wird, dort wo schon jedes Räuspern ein kleiner Skandal ist. An dieser Geschichte mag ich, wie durch die Antwort von Klemperer seine Autorität auf eine absurde Weise gerettet wird, alle können ihr Gesicht wahren. Und dann wird weiter geübt. Es hat etwas Zen-Buddhistisches, wie über ein nicht-existentes Horn gesprochen wird. Und erfasst damit den Geist der Musik, der uns erfasst, wenn wir keine einzelnen Instrumente mehr heraushören, sondern in der Summe ein Klang entsteht, der mehr ist. Loriot hat viele Sketche auf dem Spannungsfeld aufgebaut, der absoluten Struktur der Orchestermusik, der disziplinierten Rolle der Zuhörer und dem Brechen der Konventionen beispielsweise durch eine Fliege, die den Maestro zu ruckartigen Bewegungen veranlasst. Oder durch ein Bonbon, das aus dem Mund flutscht und der Frau in der Vorderreihe ins Kleid rutscht. Slapstick und Taktstock gehören tatsächlich zusammen. Der Narr in der Commedia dell’Arte hatte eine Pritsche, die großen Lärm erzeugte, dem Geschlagenen aber keine ernsthaften Schmerzen zufügte. Und so wurde der „Slapstick“ zur Bezeichnung von Situationskomik durch körperbezogene Aktion, die ohne Worte auskommt. Und der jeder unfreiwillig unterliegt, wenn er versucht, mit Macht den Ton anzugeben, ohne über sich selber dabei lachen zu können. Von Herbert von Karajan hieß es, er sei einmal am Flughafen ins Taxi gestiegen. Der Fahrer wollte wissen, wohin. Und der Dirigent meinte nur: „Wohin Sie wollen, ich werde überall gebraucht.“

Der Autor ist Arzt, Kabarettist und Gründer der Stiftung „Humor hilft heilen“. Live-Termine unter: www.hirschhausen.com. Zurückliegende Folgen finden Sie unter www.tagesspiegel.de/humorheilkunde.

Hören Sie hier eine Hörprobe aus der Hirschhausen-CD „Ist das ein Witz“:

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Laserdrucker
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