Drogenprozess : Baby Jason darf nicht mit ins Gericht

Kurz nach der Geburt ihres Kindes in türkischer Untersuchungshaft muss sich eine junge deutsche Frau wegen versuchten Drogenschmuggels vor Gericht verantworten. Sabrina A. wurde mit 20 Kilo Heroin am Flughafen von Antalya erwischt, als sie im zweiten Monat schwanger war.

Susanne Güsten
Sabrina A Foto: dpa
Wegen Drogenschmuggel angeklagt: Die 20-jährige Sabrina A.Foto: dpa

Istanbul - Der kleine Jason ist erst wenige Wochen auf der Welt, doch er kennt schon zwei Gefängnisse in der Türkei. Geboren wurde Jason Mitte Februar in Antalya, wo seine Mutter, die erst 20-jährige Sabrina A. aus Duisburg, wegen des Verdachts des Rauschgiftschmuggels einsaß. Kürzlich wurden Mutter und Kind von Antalya in eine Haftanstalt im westtürkischen Bergama verlegt. Der Umzug wurde notwendig, weil der Prozess gegen Sabrina A. vor einem Gericht in der Ägäis-Stadt Izmir stattfindet. An diesem Dienstag beginnt das Verfahren, das für die junge Bundesbürgerin mit einer mehr als zehnjährigen Haftstrafe enden könnte. Der kleine Jason wird seine Mutter während des ersten Prozesstages allerdings nicht in den Gerichtssaal begleiten dürfen, sagt Sabrinas Anwalt.

Jason ist ein gesundes Baby, bei seiner Geburt war er drei Kilogramm schwer und 50 Zentimeter groß. In Antalya, wo Sabrina A. im selben Gefängnis saß wie der niedersächsische Realschüler Marco W., hatten sich Mitgefangene und selbst die Wärterinnen mit um den kleinen Jungen gekümmert. In Bergama wird Jason möglicherweise keine dauerhafte Hilfe von Mitinsassen brauchen, hofft Anwalt Haluk Tardu: Er will gleich zu Prozessbeginn die vorläufige Freilassung seiner Mandantin beantragen. Stimmt das Gericht zu, will Sabrina sofort nach Deutschland zurückkehren. Bei der Entscheidung des Gerichts dürfte die Tatsache, dass die Angeklagte ein kleines Kind hat, eine Rolle spielen. Damit könnte Jason zum Glücksbringer für seine Mutter werden. Sie kann es gut gebrauchen. So verzweifelt war die Lage der jungen Frau in den langen Monaten der Untersuchungshaft, dass die deutsche Gemeinde in Antalya eine Kleidersammlung für sie organisierte. Zudem sammelten die Bundesbürger rund 450 Euro für eine Baby-Erstausstattung.

Die aus Duisburg stammende Sabrina A. war im vergangenen Sommer in Antalya unter dem Verdacht des versuchten Rauschgiftschmuggels festgenommen worden. Zur Zeit ihrer Festnahme war sie im zweiten Monat schwanger. In einem Koffer der jungen Frau fand die Polizei bei der Ausreise mehrere Kilogramm Heroin. Nach Presseberichten wurden damals in Sabrinas Hotelzimmer weitere 15 Kilo des Rauschgifts sichergestellt. Ihrem Anwalt zufolge beteuert Sabrina A. ihre Unschuld; sie habe nichts von dem Rauschgift in ihrem Gepäck gewusst.

Die türkischen Behörden gehen dagegen von einem Fall organisierter Kriminalität aus. Das Verfahren gegen die Deutsche und zwei ebenfalls beschuldigte Türken wird deshalb nicht in Antalya verhandelt, sondern vor dem Schwurgericht in Izmir. Anders als im Fall Marco gab es bei Sabrina A. bisher keine empörten Appelle deutscher Politiker.

Vielleicht liegt es daran, dass Sabrina A. ein Rauschgiftvergehen zur Last gelegt wird. Die Türkei ist eines der wichtigsten Transitländer für Heroin, das aus Afghanistan und Iran in den Westen gebracht wird. Vor sieben Jahren war die Berlinerin Sabine Rohloff ebenfalls in Izmir wegen versuchtem Rauschgiftschmuggel zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Rohloff durfte ein Jahr nach ihrer Verurteilung nach Deutschland zurückkehren, um dort ihre Reststrafe abzusitzen. Susanne Güsten

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