Welt : Düsseldorfer Modemesse: Tendenz: Schwarz kommt wieder

Grit Thönnissen

Die Modewelt kann aufatmen - im Frühjahr 2001 kehrt die Farbe Schwarz nach Deutschland zurück. Von Kopf bis Fuß darf man sich wieder in die Nicht-Farbe hüllen. Auf der weltweit größten Modemesse, der Düsseldorfer CPD, wurde am Wochenende die Damenmode für Frühjahr/Sommer 2001 vorgestellt. Viele Überraschungen wird es nicht geben. Modische Tendenzen entwickeln sich weiter. Zum Beispiel die Farben, die knallen nicht mehr: Aus grellem Pink wird ein pastelliger Puderton - aus leuchtendem Orange ein warmes Apricot.

Annette Görtz, Designerin aus Gütersloh zeigt in Düsseldorf monochrome Outfits und verzichtet dabei fast vollständig auf Muster oder Farbkontraste. Wirkung erzielt sie durch die Stoffe und deren Verarbeitung. Und folgt so einem wichtigen Trend: Der Stoff selbst ist Ausdrucksmittel. Chiffon wird mehrlagig verarbeitet, ohne dabei Transparenz einzubüßen. Steife, grob gewebte Leinenstoffe werden in voluminöse Falten gelegt. Durchsichtige Latexstreifen am Hosenbein lassen Haut durchschimmern und Baumwolle ist fein gecrasht. Diese Kleidungsstücke laden ein zum sorglosen hineinschlüpfen. Alles ist absolut tragbar.

Ein Gang über die Messe macht schnell deutlich: Hier werden keine neuen Modetrends gesetzt. Der deutsche Bekleidungsmarkt bietet nächstes Jahr das an, was Prada und Co schon in der letzten Saison zeigten. So entdeckt man den Ladylook, von Yves Saint Laurent ins Leben gerufen, hier in dezenter Form wieder: Knielange Röcke mit kleinen, verspielten Volants am schwingenden Saum oder mit tiefen Kellerfalten. Rüschenabschlüsse an allen Säumen und Kanten. Grafische Muster sind nicht mehr plakativ und bunt wie bei Gucci, sondern Ton in Ton gehalten. Das englische Burberry-Karo findet sich, leicht abgewandelt, auf vielen Kleidern wieder. Auch die kurzen, ledernen Kastenjacken mit Stehkragen im Bikerlook, geräumige Bowlingtaschen und applizierte Leder-Blätter auf Schuhen und Accessoires gab es schon in Paris und Mailand.

Die Firma Minx schickt ihre Models mit einer klaren Zielsetzung über den Laufsteg: Seid Ladys, schick aber lässig. Fließende Stoffe, an der Seitennaht geraffte Oberteile, Trenchcoats locker in der Taille geschnürt wirken unaufgeregt elegant. Wirklich Aufregendes gab es nur von Newcomern zu sehen. So zeigte das Hamburger Label HOTEL Luxustrash in Lacklederoptik. Aus glänzenden Goldketten kreierte das Designduo Kettentangas zu fleischfarbenen Strumpfhosen. Die Skepsis und das ungläubige Staunen war vielen der distinguierten Damen und Herren im Publikum ins Gesicht geschrieben.

Dass unkonventionellere Modemacher es auf der CPD schwer haben, ist nichts Neues. Viele junge deutsche Designer stellen ihre Kollektion gleich in Paris oder Mailand aus, da sie dort auf ein aufgeschlosseneres Publikum für ihre Mode hoffen. Doch die CPD versucht ihr angestaubtes Image aufzupolieren. Der gesamte Messeaufbau wurde modifiziert. Vier so genannte Fashionwelten sind neu entstanden. Hochmodische Firmen haben ihre Stände nun in einer Halle, ebenso wie die gesetzteren Hersteller zusammen ihre Mode präsentieren.

Viel ist von Aufbruchstimmung trotzdem nicht zu spüren: Zahlreiche Aussteller würden sich einen Hauch von Mode-Glamour in den immer noch sehr sterilen Hallen wünschen. Geschwärmt wurde dagegen von der gelungenen Party, zu der Boss einen Tag vor Messebeginn einlud: Durch einen dunklen Gang mussten die Gäste sich tasten ehe sie sich auf einer Wiese in Gesellschaft von weißen Kaninchen, Vögeln und einer Ziege wieder fanden. Modeleute lobten solch ausgefallene Events und hätten davon gern mehr auf der CPD. Weder Boss noch andere Label wie etwa Joop, Bogner oder auch internationale Designer, wie Max Mara und Versace sind auf der Modemesse vertreten. In Düsseldorf präsent sind sie an diesem Wochenende trotzdem - in den Bars und Clubs.

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