Welt : Ein gut gehütetes Geheimnis

Nach vier Jahrzehnten gibt sich Kennedy-Geliebte zu erkennen

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New York (dpa). Es wird lange dauern, bis Marion Fahnestock wieder an einem Gottesdienst in ihrer Kirche an der Upper East Side von Manhattan teilnehmen kann, ohne dass sich Leute verstohlen nach ihr umdrehen oder Reporter vor der Tür stehen. „Ich bin Mimi“, gestand die 60Jährige jetzt. Damit gab sie dem Wirbel in der US-Presse weiteren Auftrieb, den eine neue Biografie John F. Kennedys mit Hinweisen auf eine bislang unbekannte Geliebte namens Mimi ausgelöst hatte. Seit dem Bekanntwerden ihrer Person steht Fahnestock in der Öffentlichkeit.

41 Jahre lang hatte sie ihr Geheimnis gehütet. Doch kaum hatte der Historiker Robert Dallek in seinem Kennedy-Buch „An Unfinished Life“ enthüllt, dass Bill Clinton durchaus nicht als erster Sex mit einer Praktikantin im Weißen Haus hatte, gingen New Yorker Reporter in die Spur. Innerhalb von 48 Stunden hatten sie Mimi als Mitarbeiterin der Verwaltung der „Presbyterian Church“ an der Fifth Avenue identifiziert. Nachdem die Boulevardzeitung „Daily News“ in einer Titelstory als erste den vollen Namen preisgegeben hatte, konnte die vornehm wirkende Frau, die auch mit 60 schlank und attraktiv ist, die Meute der Reporter, Fotografen und Kameraleute nicht mehr abschütteln. Mit einer offiziellen Erklärung trat sie die Flucht nach vorn an: „Von Juni 1962 bis November 1963 hatte ich eine sexuelle Beziehung mit Präsident Kennedy. Angesichts der jüngsten Medienberichte habe ich die Beziehung mit meinen Kindern und meiner Familie diskutiert; sie unterstützen mich vollkommen. Ich bitte, meine Privatsphäre zu respektieren.“ Das hindert Reporter aber nicht, weiter nach Einzelheiten ihres Lebens und vor allem ihrer Affäre zu graben. Immerhin sei die Frau Geliebte des amerikanischen Präsidenten in einer hoch brisanten Zeit gewesen, hieß es beim Sender CNN: nämlich „inmitten der Kuba-Krise“, als ein Atomkrieg gedroht habe.

Die öffentliche Debatte in Talkshows und der Presse zeigt, dass der Kennedy-Klan für die Amerikaner immer noch ein willkommener Ersatz für die britischen Royals und deren Klatschpotenzial ist. Fünf Jahre nach der Clinton-Affäre um Monica Lewinsky scheint die damalige Übersättigung des Publikums mit dem Thema „Sex und Macht“ vergessen zu sein. Prompt wurden wieder einmal sämtliche Affären hervorgekramt, die sich US-Präsidenten leisteten. Die meisten der präsidialen Seitensprünge waren früher oder später von Biografie-Schreibern ausgiebig und detailliert durchgehechelt worden. Die wohl berühmteste aller Affären wird ebenfalls John F. Kennedy nachgesagt: die mit der schönen Marilyn Monroe.

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