Welt : Ein Hoch auf Kachelmann

ANDREAS OSWALD

In Deutschland tobt ein Wetterkampf.Die Kontrahenten sind aber nicht "Franziska" und "Eros", die unser Wetter in den vergangenen Tagen beeinflußt haben.Der Wetterkrieg tobt zwischen Kachelmann, der auf Anregung vieler Frauen Hochwetterlagen auch mit weiblichen Namen versieht, und dem Deutschen Wetterdienst, der die alte Regel verteidigt, nach der Hochs männlich und Tiefs immer weiblich sind.

Kachelmanns Frauen ändern zwar nicht das Wetter, aber sie bringen frische Luft in die Wetterberichte.Sein Vorstoß für mehr Gleichberechtigung spricht vielen Zuschauerinnen aus dem Herzen.

Die lassen Kachelmann dafür hochleben.Doch hinter den Kulissen sammelt sich seine Konkurrenz.

Am Dienstag fällt die Entscheidung.Die ARD urteilt dann, ob Kachelmann die neuen Namen in seinen Sendungen benutzen darf oder nicht.Der Hessische Rundfunk (HR), für die übrige Wetterberichterstattung in der ARD zuständig, will ihm das verbieten und hat das Thema auf die Tagesordnung gesetzt.Das gelang dem HR nur, weil er gegenüber den anderen Programmdirektoren behauptete, daß die Zuschauer verwirrt würden, wenn bei Kachelmann vor der "Tagesschau" andere Namen verwendet werden als im Wetterbericht am Ende der "Tagesschau".

Nun ist es aber so, daß im Wetterbericht der "Tagesschau" überhaupt keine Namen für Hochs und Tiefs genannt werden.Deshalb kann Kachelmann seine Zuschauer auch nicht verwirren.Das hielt Luc Jochimsen, die Chefredakteurin des HR, nicht davon ab, diese falsche Behauptung aufzustellen.Sieht sie vielleicht keine "Tagesschau"? Nicht einmal den Beitrag ihres eigenen Senders, den Wetterbericht?

Hat sie etwa jemand hinters Licht geführt? Wenn es bei ihr gelingt, gelingt es ja vielleicht ein zweites Mal bei den Programmdirektoren der ARD.

Kaum jemand weiß genau, was sich bei dieser so wichtigen Frage, die die Nation bewegt, hinter den Kulissen abspielt.Es gibt nur Hinweise und einige Fakten.

Die Wetterredaktion des Hessischen Rundfunks war lange Zeit alleine zuständig für die gesamte Wetterberichterstattung der ARD.Bis Kachelmann Anfang der 90er Jahre kam.Mit seiner lockeren Aufbereitung hat er dieser Wetterredaktion kräftig das Wasser abgegraben und bekam seine eigenen attraktiven Wettersendungen.

Nun käme niemand auf die Idee, der Chefredakteurin Luc Jochimsen zu unterstellen, sie wolle eine alte Rechnung begleichen.Mögen andere dauernd übers Wetter reden - sie doch nicht.Aber vielleicht erinnert sie sich ja an diejenigen in ihrem Haus, die ihr den Floh ins Ohr gesetzt haben.Kachelmanns Erfolg im Fernsehen und in der Presse ist auch dem Deutschen Wetterdienst in Offenbach nicht gleichgültig.Dieser hatte bis Ende der 80er Jahre fast ein Monopol.Bis Kachelmann kam.

Irgendwie hängt alles miteinander zusammen, sagt der Meteorologe.Mit diesem Satz liegt er immer richtig, auch wenn Nebel seine Sinne trübt.Der Deutsche Wetterdienst arbeitet sehr eng mit der Wetterredaktion des Hessischen Rundfunks zusammen.Er ist Alleinlieferant der Daten für die Wettervorhersage der "Tagesschau".

Nun begab es sich, daß, während der Hessische Rundfunk seinen Vorstoß gegen Kachelmann startete, der Deutsche Wetterdienst ungefragt die gleichen Argumente äußerte.Dabei weiß der Deutsche Wetterdienst als Zulieferer möglicherweise besser als die Chefredakteurin, daß in der "Tagesschau" gar keine Namen genannt werden.

Und was ist der Grund dafür, daß keine Namen genannt werden? Weil der Deutsche Wetterdienst selbst es bis heute kategorisch ablehnt, Namen zu nennen.Welchen Weg die Mär von den Namen in der "Tagesschau" genau genommen hat, wird wohl niemals endgültig geklärt.Die vorläufig bekannten Stationen sind der Deutsche Wetterdienst, seine Kollegen bei der täglichen Arbeit im Hessischen Rundfunk, und dessen Chefredakteurin.

Die Programmdirektoren der ARD werden bis zu ihrer Entscheidung am Dienstag noch Weiteres zu hören bekommen.Dem Hessischen Rundfunk hat inzwischen jemand mitgeteilt, daß am Ende der "Tagesschau" keine Wetternamen genannt werden.Deshalb lautet die Argumentation des HR seit gestern anders.Weil vormittags in einem moderierten Wetterbericht manchmal Namen genannt werden, würden die Zuschauer verwirrt.

Bleibt die Frage: Richtet sich die ARD nach den alten Namen, wie im morgendlichen Wetterbericht des Hessischen Rundfunks, oder nach den neuen Namen, die Kachelmann in seinen vielgesehenen Morgen- und Abendsendungen verwendet?

Wie die Programmdirektoren am Dienstag entscheiden werden, ist ohnehin klar.Männer mögen weibliche Hochs.

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