• Eine der schwierigsten Rettungsaktionen Frankreichs ist glücklich zu Ende gegangen

Welt : Eine der schwierigsten Rettungsaktionen Frankreichs ist glücklich zu Ende gegangen

Nach zehntägigem Überlebenskampf konnten die sieben Höhlenforscher unversehrt geborgen werden

Nach zehn Tagen Ungewissheit hat das Höhlendrama von Gramat in Südfrankreich doch ein glückliches Ende gefunden. Alle sieben Höhlenforscher, die nach plötzlichen starken Regenfällen in der Vitarelles-Grotte eingeschlossen waren, konnten in der Nacht zum Montag gerettet werden. Durch einen engen, 80 Meter tiefen Rettungsschacht gelangten sie übermüdet, aber wohlauf zurück an die frische Luft. Sie waren am Sonntag von den Bergungsmannschaften unter Tage aufgespürt worden.

Eine der aufwendigsten und schwierigsten Rettungsaktionen Frankreichs mit etwa 150 Beteiligten sowie einem Großaufgebot an Räum- und Bohrgerät endete damit erfolgreich. Während die Angehörigen erleichtert in Jubel ausbrachen, als die sieben Männer einer nach dem anderen mit einer Winde durch den 40 Zentimeter-Bohrschacht nach oben gehievt wurden, spendeten die Retter den Geretteten großes Lob: Sie hätten sich perfekt verhalten und gewusst, was zu tun gewesen sei.

Die Sieben kamen "in ausgezeichneter Verfassung" aus der Grotte, so berichtete der für die Rettungsarbeiten zuständige Koordinator, Bernard Tourte. Die Höhlenforscher hätten ihre Nahrungsmittel gut eingeteilt, nachdem sie von den Wassermassen eines schweren Unwetters eingeschlossen worden waren. "Sie haben uns sogar Kuchen angeboten", scherzte einer der Retter nach getaner Arbeit am Montagfrüh. Es war allerdings doch höchste Zeit für die Rettung gewesen. Denn die sieben Männer hatten am Sonntag ihre letzte Ration an Wasser aufgebraucht. Der Benjamin der Gruppe, der 19-jährige Nicolas Wioland, tauchte als Erster kurz vor Mitternacht in seinem blauen Overall aus der Tiefe auf. Der junge Mann, der seinen Wehrdienst in Deutschland ableistet, wurde wie seine Leidensgenossen zur Beobachtung in das Krankenhaus von Figeac gebracht. "Es ist wahrscheinlich, dass sie innerhalb von 24 Stunden das Hospital verlassen können, sofern alles gut geht", erklärte Olivier Rastouil, Direktor des Krankenhauses. Die 19 bis 54 Jahre alten Männer werden auch psychologisch betreut.

In der Tiefe hatten die sieben Kletterer beweisen können, dass sie "Profis" sind. Sie ließen sich in dem verzweigten Grotten-System in ihren aufblasbaren Booten bis zu einer hoch genug gelegenen Stelle treiben. Dort bauten sie ihr Biwak auf. Sie kannten die Grotte gut genug, um zu wissen, dass das gestiegene Wasser erst nach einiger Zeit wieder zurückweichen würde. "Die zahlenmäßig starke Gruppe war eingespielt. Sie haben abwechselnd in ihren Schlafsäcken geschlafen und sich außerdem auch körperlich betätigt, um keine steifen Glieder zu bekommen", erklärte einer der betreuenden Ärzte. So waren sie nach dieser unerwünschten Überlebensübung "gut in Form. Moral: exzellent".

Die Gruppe war am Sonntag in einer zur Hälfte überfluteten, 40 Meter hohen Grotte von einem Suchtrupp entdeckt worden, der von oben durch das Bohrloch abgestiegen war. An den Arbeiten waren mehr als 100 Feuerwehrleute, Gendarme und Höhlenexperten beteiligt. Die Grotte liegt vier Kilometer vom Eingang der Vitarelles-Höhle (nördlich von Toulouse) entfernt. Regen, Frost und Schnee sowie der angeschwollene unterirdische Fluss am Höhlenboden hatten die Helfer immer wieder gezwungen, ihre Bemühungen zu unterbrechen oder andere Wege zu suchen. Bis sie die Männer, die am 11. November ihre Expedition angetreten hatten, genau in jenem Hohlraum fanden, in denen sie vermutet worden waren.In der Höhle herrschten Temperaturen zwischen 12 und 13 Grad Celsius und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Die Helfer waren bis zuletzt zuversichtlich, die äußerst erfahrenen und gut ausgerüsteten Männer unversehrt bergen zu können. Die Unwetter in Südfrankreich hatten 33 Menschenleben gekostet.

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