Welt : Eine Frage der Ehe

Für die Karriere ließ Österreichs Politikerin Benita Ferrero-Waldner ihre erste Heirat auch kirchlich annullieren

Markus Huber[Wien]

Man kann von der katholischen Kirche halten, was man will, aber eines muss man den Katholiken lassen: Sie können Feste feiern, ganz egal wie sie fallen, mit Pomp und Trara und aller gebotenen Würde. Wer einmal vor einem Staatsvertreter sein Ehegelöbnis abgelegt hat und dann selbiges vor einem katholischen Pfarrer wiederholte, kann mit Recht sagen: Beides probiert und kein Vergleich. Doch was, wenn man sich trotzdem scheiden lässt? Vor dem Staat ist das kein Problem, die Angelegenheit dauert nur wenige Minuten und kostet ein paar Euro fünfzig plus Anwalt, doch die katholische Kirche kennt kein Pardon – schließlich hat man doch damals beschworen, „sich zu lieben und zu ehren, bis dass der Tod (und eben nur dieser) einen scheidet.“

Schon seit einiger Zeit ist genau das in Österreich vor allem für die christlich-konservativen Politiker der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) ein Problem. Auch in der ÖVP, die ihre Parteitage gerne mit einer katholischen Messe beginnt, kann es mal zu Scheidungen und Wiederverheiratungen kommen. Und das, so glauben die Parteistrategen, kommt vor allem auf dem flachen Land, wo das Wort des Pfarrers immer noch zählt, so gar nicht gut an.

Österreichs Außenministerin Benita Ferrero-Waldner stand lange vor diesem Problem. Sie hatte 1975 einen bayerischen Gymnasiallehrer geehelicht, diesen aber in den 80ern verlassen. Nach der Scheidung heiratete Ferrero-Waldner 1993 einen spanischen Literaturprofessor. Nun möchte Ferrero-Waldner Österreichs erste Bundespräsidentin werden, am Donnerstag wurde sie von der ÖVP auch offiziell als Kandidatin nominiert, und also zitterte sie ob ihrer im katholischen Sinn wilden Ehe: Würde sie in einem Land, das den Katholizismus als Staatsreligion hat, als moralische Autorität anerkannt werden?

Kurz vor Weihnachten fiel ihr, wie erst jetzt bekannt wurde, ein Ausweg ein. Sie ließ ihre erste Ehe von der Kirche annullieren und gab am vierten Adventssonntag in einer Privatkapelle des fürsterzbischöflichen Palais zu Salzburg vor den gestrengen Augen des Salzburger Erzbischofs ihrem Literaturprofessor auch vor der katholischen Kirche das Ja-Wort. Und nachdem sogar der österreichische Kanzler ihr Trauzeuge war, sollte nun also alles geregelt sein.

Doch weit gefehlt: Seit dieser Aktion muss die Kandidatin im Land viel Häme ertragen. Zwar kommen in Österreich kirchliche Eheannullierungen häufiger vor als in Deutschland, so ganz ohne Probleme geht das aber auch hier nicht. Die beiden Ehepartner a.D. müssen die gestrengen Glaubenswächter davon überzeugen, dass ihr damaliger Schwur vor Gott nicht aus freien Stücken erfolgt ist – oder aber die Ehe nicht vollzogen wurde. Bei ihrer ersten Eheschließung war Ferrero Waldner zwar erst 22 Jahre alt, aber auch kein Teenager mehr. Und dass die Ehe trotz Kinderlosigkeit nicht vollzogen wurde, bestreitet ihr deutscher Ex-Mann sehr zur Freude der Wiener Illustrierten vehement. „Es war damals ihr Wunsch, kirchlich zu heiraten. Aber nun hat sie mich um die Annullierung bekniet, also habe ich zugestimmt“, so der Mann in „News“.

Doch selbst wenn Ferrero-Waldner nicht Präsidentin wird, gelohnt hat sich die Aktion allemal. Ihre zweite kirchliche Trauung, so ein Teilnehmer, sei„unheimlich rührend gewesen.“

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