Welt : Einen braunhaarigen Einstein-Fan, bitte

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Von Rita Neubauer, Palo Alto

Shoppen im Internet ist eine feine Sache. Per Mausklick und mit einer Kreditkarte zur Hand kommt inzwischen fast alles ins Haus: Bücher und Computer ebenso wie exotische Tee-Sorten und Kleider aus Indien. Selbst Gebrauchtwagen und Babys sind im Angebot. Ja, sie haben richtig gelesen. Babys!

Denn US-Samenbanken stellen inzwischen ihr Angebot ähnlich dem Online-Händler Amazon ins Netz. Statt nach dem neuesten Buch von Stephen King zu suchen, nutzen die Kunden die Suchmaschine, um den richtigen Kandidaten als „Erzeuger“ unter den tausenden von Samenspendern herauszufiltern. Sagen wir, Sie nehmen die Dienste der Fairfax Cyrobank in Anspruch, dann werden Sie schnell mit einer Reihe von Optionen konfrontiert: Rasse, ethnischer Hintergrund, Augen- und Haarfarbe, sogar der Bluttyp kann vorbestimmt werden.

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Glatte, braune Haare oder lockiges Blond? Ein Samenspender mit französisch-deutschem, angelsächsischem oder vielleicht gar deutsch-spanischem Background. Blaugrüne Augen oder haselnussfarbene? Haben Sie sich für einen Samenspender deutscher Herkunft, mit braunen Augen und braunem, glatten Haar entschieden und der Bluttyp ist ihnen egal, dann geht die Auswahl erst richtig los. Zehn Männer sind zwar in Sekundenschnelle gefunden, doch der eine ist 1,70 groß, der andere zwei Meter. Der eine hat deutsch-irische Vorfahren, beim anderen haben Schotten mitgemischt. Der eine ist noch Student, der andere im Restaurant-Geschäft. Bald ähnelt das Ganze den Optionen beim Autokauf. Leder- oder Stoffbezug. 120 PS oder doch lieber 150. Den Lack silbermetallic oder feuerwehrrot. Und überhaupt die Hobbys: Möchten sie lieber ein Kind, das dem Vater im Tiefseetauchen nacheifert, meditiert oder zu Hause über Kochbüchern hockt. Gut, Sie finden Nummer 2193 attraktiv, einen 80 Kilo schweren Projekt-Manager mit einem Abschluss in International Relations, der gern schwimmt und Klavier spielt. Doch damit ist die Suche noch nicht beendet. Sein persönliches Essay, dass er auf einer Farm aufwuchs und sich als Relativist bezeichnet, mag ja noch begeistern, aber was ist mit seiner Kurzsichtigkeit? Dass er gut hört und keine Zahnprobleme hat, ist wiederum ein Plus. Und dann die „Verwandten". Die Mutter ist 49 und hat Schilddrüsenprobleme, der Vater des Samenspenders ist 56 und gesund. Gesund sind auch die Mehrzahl der Grosseltern, Tanten und Onkel. Für sieben Dollar erhalten Sie weitere medizinische Informationen, für zwölf Dollar mehr persönliche Daten und für 25 Dollar schickt die Cyrobank den Interessenten gar eine Audio-CD mit der Stimme von Nummer 2193. Ein Kinderfoto ist leider nicht erhältlich.

OK, Nummer 2193 hat das Rennen gemacht. Den Ausschlag gab, dass er gerne reist und Albert Einstein liebt. Dass sein Samen noch keine Nachkommen produziert hat, ist ein Minus, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Nun geht es erst einmal ans Auschecken. Auch hier gilt: das Besondere hat seinen Preis. Samen von einem Spender mit Doktortitel werden höher notiert als die eines Handwerkers.

Kreditkarte eingetippt, kommt das Ganze inklusive der Samenspende auf 215 Dollar (Doktortitel nicht inbegriffen). Der Eilversand kostet extra. Ebenso die Samenanalyse und Lagerung. Die Rücksendung des Samenbehälters macht weitere 36 Dollar. Ganz teuer wird es, wenn die Fracht ins Ausland geht: 850 Dollar Deposit für den Behälter. Und so weiter und so fort. Ein kleiner Trost für all diejenigen, die spätestens hier die Kommerzialisierung abschreckt: Wenn auch manche Samenbank eine Geld-Zurück-Garantie im Falle der Nichtschwangerschaft offeriert, ein Umtauschrecht bei Nichtgefallen des Produktes gibt es (noch) nicht.

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