Welt : Einfach himmlisch

Das größte Passagierflugzeug der Welt hat seinen ersten Testflug erfolgreich absolviert

Sabine Heimgärtner

Es war ein bewegender Moment und der aufregendste Countdown der jüngeren Luftfahrtgeschichte. Unter tosendem Beifall zehntausender Schaulustiger erhob sich um 10 Uhr 29 der Airbus A380 in Toulouse zum ersten Mal in die Lüfte. Die meteorologischen Bedingungen, strahlend blauer Himmel und nur ein leichter Wind, waren ideal für die Jungfernreise.

Viele hatten in der Umgebung des Flughafengeländes der südwestfranzösischen Stadt schon vor Tagen in Zelten und Wohnwagen ihr Quartier aufgeschlagen, um die historische Stunde nicht zu verpassen. „Wir sind seit Sonntag hier“, berichtete ein junger Vater aus der Region Marseille, mit Kind und Bergen von Verpflegung am Ort. Fröhlich erklärte er den zahlreichen Journalisten, dass die anwesenden Familien zum Sonnenaufgang ein üppiges Frühstück „mit einem Fläschchen Armagnac gegen die morgendliche Kälte“ untereinander teilten. Derweil stand der Riesenflieger, mit Plätzen für bis zu 853 Reisende das größte Passagierflugzeug der Welt, nicht weit von den provisorischen Campingplätzen entfernt noch ruhig vor dem Flughafengebäude, bei seiner gigantischen Höhe von 24 Metern die Nase fast im siebten Stockwerk.

Dann kam plötzlich Bewegung in die Zuschauermenge. Zunächst nur leise begannen die Triebwerke zu summen. Kurze Zeit später schritten die wenigen Priviligierten der ersten Stunde auf die Maschine zu, bekleidet mit orangefarbenen Overalls, die sechs Männer, die für den ersten Flug vorgesehen waren: Die beiden französischen Piloten Jacques Rosay und Claude Lelaie sowie vier Techniker, darunter der deutsche Ingenieur Manfred Birnfeld. Ohne ihre innere Anspannung zu zeigen, winkten sie kurz in Richtung der Fernsehkameras und verschwanden im Cockpit. „Bei diesem ersten Testflug überprüfen wir nur einfache Vorgänge“, hatte Lelaie kurz vorher erklärt, darunter das Fahrwerk, die Beschleunigung und das Einfahren der Landeklappen. Die Piloten waren auf ihrem rund vierstündigen Flug über die Weinfelder von Bordeaux, den Atlantik und zurück nach Toulouse mit Fallschirmen ausgestattet, um die Maschine notfalls über einen Notschacht verlassen zu können.

Das war aber wirklich nicht nötig.

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