Welt : Er führte die Beamten zum Müllcontainer

Der tatverdächtige Student zeigte den Ermittlern, wo er Jakobs Schulsachen weggeworfen hatte

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Von Hans-Jürgen Biedermann, Frankfurt am Main

Der 27-jährige Magnus G. legte am Freitagmorgen kein umfassendes Geständnis ab. Aus der U-Haftanstalt Weiterstadt wurde er ins Präsidium gefahren, um von dem ermittelnden Staatsanwalt Justus Koch und Beamten der Sonderkommission vernommen zu werden. Dort machte er auf Anraten seines Anwaltes Hans-Ulrich Endres keine Detailangaben, sondern äußerte sich überwiegend zur Person.

Der Rechtsbeistand erklärte, er müsse zunächst Akteneinsicht erhalten, bevor weitergehende Angaben in Frage kämen. Der beschuldigte Jurastudent, der sich nach 13 Semestern gerade im ersten Staatsexamen befunden hat – nach Angaben von Endres ist er „erschüttert und entsetzt über sich selbst" –, zeigte sich dann aber in Teilaspekten des Falles kooperativ. Er führte die Ermittler zu zwei Containern in einer Siedlung am Nordostrand von Neu-Isenburg, in denen er die Kleidung, den Rucksack und die Schulsachen des Opfers deponiert hatte. Die Fundsachen waren feucht und müssen vor der kriminaltechnischen Untersuchung erst getrocknet werden, gab Schilling bekannt.

Der Oberstaatsanwalt widersprach Spekulationen, Magnus G. sei Jakobs Hauslehrer gewesen, er habe aber dessen Geschwister „von Besuchen in Diskos und bei Eintrachtspielen gekannt". Hinweise auf pädophile Neigungen des Beschuldigten, die auf ein Tatmotiv schließen könnten, habe die Behörde nicht. Eine derartige Veranlagung hat auch Pfarrer Richard Weiler von St. Bonifatius in der Sachsenhäuser Holbeinstraße nicht bemerkt, obwohl er Magnus G. bereits „als Bub" kennen lernte, als dieser in der Heimatsiedlung an der Stresemannallee aufwuchs. Magnus sei bis vor drei Jahren bei Jugendfreizeiten der katholischen Gemeinde einer der Betreuer gewesen.

Später hatte er nach Aussage des Geistlichen „andere Kontakte". In Polizeikreisen heißt es zu einem möglichen Tatmotiv, der Student habe das Lösegeld von einer Million Euro gebraucht, um in der „Liga" seiner Kumpel aus reichen Elternhäusern „mitspielen" zu können. 990 000 Euro sind in seiner Wohnung in der Teplitz-Schönauer-Straße gefunden worden.

Am Montag hatte er kurz vor seiner Festnahme zwei Reisen auf die Kanarischen Inseln (nicht, wie ursprünglich angegeben, auf die Malediven) gebucht. Dem Vernehmen nach wollte ihn seine 16-jährige Freundin begleiten, die sich wegen des Verdachts der Tatbeteiligung vorübergehend in Polizeigewahrsam befunden hat. Die Ermittlungsbehörden weisen Mutmaßungen zurück, sie hätten Jakobs Leben retten können. Der Junge sei vermutlich schon am Freitag „erstickt" worden. Zu dem Entführer, so Staatsanwalt Justus Koch, habe es bis zur Übergabe des Lösegeldes in der Nacht zum Montag keinen weiteren Kontakt gegeben. Die Modalitäten seien ausschließlich in einem mit Maschine geschriebenen Brief enthalten gewesen, der am Freitagmittag im Hof der Metzler-Villa in der Mörfelder Landstraße gefunden wurde. Das Bankhaus teilte am Freitag mit, der Trauergottesdienst für Jakob finde am kommenden Freitag um 11 Uhr 30 in der Katharinenkirche an der Hauptwache statt.

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