Erdbeben in Pakistan : Bundesregierung bietet Soforthilfe an

170 Tote, hunderte Verletzte und 15.000 Obdachlose - Das ist das verheerende Ergebnis des schweren Erdbebens in einer der ärmsten Gebiete Pakistans. Die Bundesregierung hat ihre Hilfe angeboten.

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Beben mit katastrophalen Folgen für die Menschen: Pakistanische Soldaten untersuchen ein eingestürztes Haus in Ziarat, 50...Foto: AFP

Islamabad Drei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben im Norden Pakistans sind bei einem schweren Beben im Südwesten des Landes mehr als 170 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Nach Angaben der Regierung der Provinz Baluchistan wurden mehr als 15.000 Menschen obdachlos. Das Beben der Stärke 6,4 überraschte die meisten Menschen um 5 Uhr morgens im Schlaf. Familien flohen panisch aus den Häusern. Das Epizentrum lag etwa 60 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Quetta. Die Nationale Katastrophenschutzbehörde schickte Zelte, Decken und warme Kleidung in die betroffene Region. Auch ein Feldkrankenhaus der Armee stand zum Transport ins Katastrophengebiet bereit.

Der Vorsteher des am schwersten betroffenen Bezirks Ziarat, Dilawar Khan Kakar, sagte: "Wir haben eine Bestätigung über mehr als 160 Tote in verschiedenen Dörfern." Mittlerweile werden jedoch schon 170 Tote gemeldet. In dem Ort Wam, in dem mehr als 200 Familien wohnten, sei so gut wie jedes Haus zerstört worden. Kakars Stellvertreter Momin Khan Dummar befürchtete, die Opferzahl könne auf 190 ansteigen. "Viele Menschen liegen noch unter ihren zerstörten Häusern." Helfer suchten in den Trümmern nach Überlebenden. Den Rettungsmannschaften gelang es zunächst nur, in Dörfer nahe den großen Straßen vorzudringen.

Beben trifft ärmste Provinz

Nach dem Beben gingen in der Provinz auch mehrere Schlammlawinen nieder. Baluchistan ist die größte, aber am dünnsten besiedelte Provinz Pakistans. Sie ist zugleich die ärmste Provinz des Landes. Nachbeben - eines davon erreichte die Stärke 6,2 - versetzten die Menschen in der Katastrophenregion bis zum Abend immer wieder in Angst und Schrecken.

Der Direktor der pakistanischen Meteorologiebehörde, Qamaruz Zaman Chaudhry, sagte, zu dem Beben sei es nur zehn Kilometer unter der Erdoberfläche gekommen. "Ein flaches Erdbeben dieser Größenordnung ist normalerweise sehr zerstörerisch." Der örtliche Kommandeur der paramilitärischen Grenztruppen, Generalmajor Asif Nawaz, sagte, die Soldaten hätten Hilfscamps eingerichtet. Zahlreiche Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht.

Steinmeier bietet Deutschlands Hilfe an

Die Bundesregierung bot Pakistan Soforthilfe an. "Deutschland steht bereit, auf Wunsch schnell und unkompliziert zu helfen", schrieb Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) an seinen pakistanischen Amtskollegen Shah Mehmood Qureshi. Kurzfristig könne die Bundesregierung 250.000 Euro zur Verfügung stellen. Gleichzeitig bot Steinmeier weitere Unterstützung bei der Bewältigung der "furchtbaren Tragödie" an. Beim Erdbeben im Oktober 2005 in Kaschmir und dem Norden Pakistans hat das Auswärtige Amt nach eigenen Angaben Soforthilfe in Höhe von 6,9 Millionen Euro geleistet.

Steinmeier sowie Bundespräsident Horst Köhler zeigten sich von dem jüngsten Beben erschüttert. In einem Telegramm an den pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari schrieb Köhler: "Ich möchte Ihnen, auch im Namen meiner Landsleute, meine tief empfundene Anteilnahme aussprechen." Die Meldungen über die hohe Zahl an Toten und Verletzten habe er "mit großer Erschütterung" erhalten. Den Opfern und ihren Angehörigen gelte das Mitgefühl der Bundesbürger. Verschiedene deutsche Hilfsorganisationen bereiteten sich auf einen Einsatz in Pakistan vor.

Pakistan kurz vor dem Staatsbankrott

Die Regierung in Islamabad wollte am Mittwoch keinen Hilfsappell an die Staatengemeinschaft richten. Man werde aus eigenen Kräften mit den Folgen des Bebens fertig, sagte der Chef der Katastrophenschutzbehörde, Farooq Ahmed Khan. Wenn jemand aber helfen wolle, "ist das sehr willkommen". Pakistan ist schwer von der Finanzkrise betroffen und steht kurz vor dem Staatsbankrott. "Die EU ist bereit, humanitäre Unterstützung zu leisten, wenn dies gewünscht wird", sagte EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner.

Am 8. Oktober 2005 waren bei einem verheerenden Beben der Stärke 7,6 im pakistanischen Teil Kaschmirs und anderen nordpakistanischen Regionen mindestens 73.000 Menschen ums Leben gekommen. Im indischen Teil Kaschmirs starben damals mehr als 1300 Menschen. Allein in Pakistan wurden 3,5 Millionen Menschen obdachlos. Zu dem bislang schwersten Beben in Baluchistan war es im Jahr 1935 gekommen: Mehr als 30.000 Menschen starben, die Provinzhauptstadt Quetta wurde fast dem Erdboden gleichgemacht. 1997 waren bei einem Beben in Baluchistan mehr als 100 Menschen getötet worden. (bai/dpa)

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