Welt : Ernst August: Prinz Pippi (Kommentar)

Harald Martenstein

Am Sonntag hat Prinz Ernst August von Hannover mehrere Male in der "Bild"-Lokalredaktion Hannover angerufen und mit der Ressortleiterin Anne-Kathrin Berger uncharmante Gespräche geführt. Es fielen dabei aus seinem Mund Worte, die in der für ihr Zartgefühl weltberühmten "Bild"-Zeitung natürlich nur andeutungsweise nachgedruckt werden konnten: das klassische "A...", die derbere "V...", natürlich durfte das altbewährte "F..." in dem Ensemble nicht fehlen. Die Aufbewahrung dieser Worte für die Nachwelt verdanken wir der Existenz von Tonbandprotokollen, gefertigt angeblich mit Genehmigung des Prinzen, der als Ehemann der monegassischen Prinzessin Caroline als eine Art Staatsmann gilt. "Bild" hat den wütenden Anrufer wegen Beleidigung angezeigt, aber das Telefonat ist ja nur, wie Ernst August es womöglich ausdrücken würden, die Spitze des Sch...bergs.

Am Donnerstag, dem monegassischen Tag auf der Expo, war der Prinz einigen Beobachtern wegen seines stark geröteten Gesichts aufgefallen, am Ende jenes Tages erlitt er einen Schwächeanfall. In der Zeit zwischen dem Anfang und dem Ende des monegassischen Tages nahm er genügend Flüssigkeit zu sich, um sie dringend wieder loswerden zu wollen. Der Wagen stoppte, zufällig vor dem türkischen Pavillon, der Prinz stieg aus, angeblich schwankend, und erleichterte sich an der - gottlob imprägnierten - türkischen Holzfassade. Dies jedenfalls wollen zwei Augenzeugen beobachet haben: "Wir konnten den Urin-Strahl deutlich sehen." Es gibt sogar ein Foto. Danach habe August, wieder ganz Mann von Welt, seiner Gattin einen Kuss gegeben.

Vor hundert Jahren wäre der Ausbruch eines Krieges zwischen der Türkei und Monaco nur eine Frage weniger Stunden gewesen. Heute gibt es da zum Glück ein paar praktische Hindernisse, nicht zuletzt das Fehlen einer satisfaktionsfähigen monegassischen Armee. Kenner der islamischen Welt behaupten, dass dort das öffentliche Urinieren als noch unfeiner gelte als in anderen Kulturkreisen. Aber, Hand aufs Herz - würden nicht sogar die durch und durch permissiven Deutschen irritiert reagieren, wenn, sagen wir Prinz Philip bei einem Staatsbesuch den Reichstag in ähnlicher Weise in Anspruch nähme?

Das Verhalten von Ernst August "spitzt sich zu", wie wir Zeitungsleute gern formulieren. Es kommt aber auch bekannt vor: Erinnert August etwa nicht an Zlatko, den "Big Brother"-Bewohner, der sich mit der Nagelschere das Brusthaar stutzte? Einiges scheinen die Prolls und die Prinzen eben doch gemeinsam zu haben, der erste und der vierte Stand, zum Beispiel ein gesundes Selbstbewusstsein und eine robuste Unempfindlichkeit gegen den Zwang der Konventionen. Ernst August mag ein Rüpel sein, aber er ist auch authentisch. Wann nimmt er endlich seine erste CD auf? Der Titel könnte "A ..." heißen.

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