Europa : Friedenspreis-Träger: Türkei soll nicht in die EU

Der Friedenspreis-Träger des deutschen Buchhandels, Yasar Kemal, ist gegen den Beitritt der Türkei in die Europäische Union. Inzwischen sehe er keinen Sinn mehr darin, da sich die EU nicht für den Frieden in der Welt stark mache.

IstanbulDer türkische Schriftsteller und Friedenspreis-Träger des deutschen Buchhandels, Yasar Kemal, ist nicht mehr für einen Beitritt seines Landes in die Europäische Union (EU). In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Kemal: "Bis vor einigen Jahren war ich von der Idee einer Mitgliedschaft begeistert. Jetzt kann ich darin keinen Sinn mehr sehen." Er sehe nicht, dass sich die EU für den Frieden in der Welt stark mache. "Ich persönlich bin von der EU sehr enttäuscht", sagte Kemal kurz vor Eröffnung der Frankfurter Buchmesse, bei der die Türkei Gastland ist. Auch das Eintreten der Europäischen Union für Georgien und gegen Russland sei für ihn nicht mehr als ein Hoffnungsschimmer: "Im Ganzen gesehen ist die EU nicht besser als andere kriegstreibende Großmächte."

"Ich kenne keinen Kurden, der einen autonomen Staat will"

Den Kampf zwischen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und dem türkischen Militär nannte der 85 Jahre alte Autor "sinnlos und absurd". Seit über tausend Jahren lebten Kurden und Türken Seite an Seite. Hätte die Türkei in der Vergangenheit intelligentere Führer gehabt, wäre in diesem Konflikt nie Blut geflossen, meinte der Schriftsteller. "Ich bin selbst Kurde, und natürlich fordere ich, dass Kurden ihre Sprache frei sprechen können, dass sie geschrieben und unterrichtet werden kann. Aber ich persönlich kenne keinen Kurden, der einen autonomen Staat will." Durch seinen Einsatz für die Rechte der Kurden hatte sich Kemal verschiedene Prozesse und Gefängnisstrafen eingehandelt.

Zum Anspruch der derzeitigen Regierungspartei AKP auf einen gemäßigten Islam sagte Kemal: "Wenn ich den Ausdruck 'gemäßigter Islam' nur höre, sträuben sich mir die Haare. Das ist doch eine Erfindung der Amerikaner. Es gibt keinen 'gemäßigten' Islam, überhaupt keine gemäßigte Religion. Entweder man hat eine Religion, oder man hat keine." (jg/dpa)

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