• Europaparlament fordert Änderungen: Woher kommt das Fleisch? Ringen um Herkunftsangaben

Europaparlament fordert Änderungen : Woher kommt das Fleisch? Ringen um Herkunftsangaben

Pferd im Rinderhack, das wollen die meisten Verbraucher nicht ungefragt auf dem Teller haben. Entsprechend groß war die Aufregung, als der Pferdefleischskandal 2013 Europa erschütterte. Europaabgeordnete fordern nun Konsequenzen.

Das Europaparlament sowie Verbraucherschützer fordern, dass auf einer Packung Lasagne bald mehr draufsteht. Die Behörde in Brüssel prüft verpflichtender Herkunftsangaben auf Lebensmitteln.
Das Europaparlament sowie Verbraucherschützer fordern, dass auf einer Packung Lasagne bald mehr draufsteht. Die Behörde in Brüssel...Foto: dpa

Ob Wurst, Lasagne oder Fleischklops: Wer verarbeitete Fleischprodukte kauft, erfährt selten, woher die Inhaltsstoffe kommen. Denn solche Angaben müssen in der Europäischen Union nicht auf der Packung stehen. Das Europaparlament will nun Änderungen fordern, auch Verbraucherschützer legen sich ins Zeug. Doch Kritiker halten die Idee für kostspieligen Unsinn.

Die Information auf der Packung soll das Vertrauen der Verbraucher in ihre Lebensmittel stärken und die Branche zu mehr Transparenz zwingen. Das sei nötig, auch als Reaktion auf den Pferdefleischskandal vor zwei Jahren, heißt es im Parlament. Damals war als Rindfleisch deklariertes Pferdefleisch in Fertigprodukten aufgetaucht. Für die Abgeordneten in Straßburg stand am Mittwoch eine Abstimmung über ein Papier an, in dem sie einen Gesetzesvorschlag von der EU-Kommission fordern - eine solche Aufforderung wäre aber nicht bindend.

Der Aufwand für die Industrie würde steigen

Die CDU-Europaabgeordnete Renate Sommer hält das Ganze ohnehin für eine Schnapsidee - sie spricht von einer „unsinnigen, wirklich blödsinnigen Herkunftskennzeichnung“. „Der Verbraucher will es nicht wirklich“, ist sie sich sicher. Zudem sei der Aufwand für die Industrie viel zu hoch: Für eine Scheibe Wurst, in der Fleisch aus vier bis fünf Ländern enthalten sei, müssten dann 400 bis 500 Etiketten oder Verpackungen erstellt werden.

Dabei verweist Sommer auch auf einen Bericht der EU-Kommission vom Dezember 2013: Nach dem Pferdefleischskandal hatte die Brüsseler Behörde die Auswirkungen verpflichtender Herkunftsangaben geprüft.
Der Verbraucher sei nicht bereit, für die Mehrkosten durch solche Angaben zu zahlen, so das Ergebnis.

Auch der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) sieht etwaige Pflichtvorgaben als Belastung. „Bei den für ihre Kaufentscheidung relevanten Faktoren steht für die Verbraucher die Herkunft des jeweiligen Lebensmittels nach Geschmack, Qualität, äußerem Erscheinungsbild und Preis erst an vierter Stelle“, meint der BVLH. „Diese untergeordnete Bedeutung bei der Kaufentscheidung rechtfertigt nicht die mit einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung zu erwartende Steigerung der Produktionskosten.“

Studie der EU-Kommission

Gegen künftige Skandale würde eine solche Vorschrift laut BVLH auch nicht helfen: „Der Pferdefleischskandal, auf den diese Idee zurückgeht, war ein Fall beabsichtigter Falschkennzeichnung im Segment Rindfleisch.“ Der europäische Verbraucherverband Beuc gibt sich unbeeindruckt. „Kolossale 90 Prozent der europäischen Verbraucher wollen wissen, woher das Fleisch in ihren Hühnchen-Nuggets oder in ihrer Fertig-Lasagne kommt“, meint Beuc und verweist dabei gleichfalls auf die Studie der EU-Kommission.

Die sozialdemokratische britische Europaabgeordnete Glenis Willmott ist eindeutig für die Kennzeichnung. „Es geht nicht nur um die Qualität. Viele Leute wollen aus einer ganzen Reihe von Gründen wissen, wo ihr Fleisch herkommt.“ Dabei gehe es um Standards beim Umweltschutz oder in der Tierhaltung oder auch um die Länge des Transportweges. „Alles, was wir wollen, ist eine klare, ehrliche Lebensmittelkennzeichnung.“ (dpa)

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