Eurovision Song Contest (ESC) : Ein Aborigine für Europa

Beim Eurovision Song Contest tritt Isaiah Firebrace für Australien an. Was passiert, wenn er gewinnt? Findet dann der ESC in Australien statt?

Barbara Barkhausen
Isaiah Firebrace vertritt Australien beim Eurovision Song Contest (ESC).
Isaiah Firebrace vertritt Australien beim Eurovision Song Contest (ESC).Foto: imago/ZUMA Press

Zum dritten Mal in Folge nimmt Australien am Eurovision Song Contest teil. Irgendwie ist das merkwürdig. Aber die Vorfahren von Millionen Australiern kamen schließlich einst aus Europa, so könnte man die Beteiligung begründen. Um in der alten Heimat zu punkten, schickt das Land im Mai nun aber einen jungen Ureinwohner nach Kiew. Diese Aborigines stammen nicht aus Europa, sondern ursprünglich aus Afrika, aber die Europäer haben ein Herz für Aborigines.

Dass Australien an dem europäischen Gesangswettbewerb teilnehmen darf, liegt nach offizieller Darstellung daran, dass das Land den Song Contest seit 1983 im Fernsehen ausstrahlt und Mitglied der European Broadcasting Union ist. Aus dem gleichen Grund sind auch Israel und Armenien akzeptiert worden. Und nachdem die bekannte Aborigine-Sängerin Jessica Mauboy 2014 als Gast auftrat, durfte Australien zum 60. Jubiläum im folgenden Jahr schließlich zum ersten Mal am Wettbewerb teilnehmen.

Isaiah Firebrace ist selbst in Australien vielerorts ein noch recht unbekannter Name, obwohl er im vergangenen Jahr den „X Factor Australia“ gewonnen hat. Gerade mal 17 Jahre alt, ist der junge Aborigine am Anfang seiner Karriere.

Seine Stimme ist noch ein wenig roh und dabei doch auch sanft, die ersten männlichen Noten klingen durch – Isaiah Firebrace hat das Zeug zum Teenie-Star. Braune Locken, die ihm wild ins Gesicht fallen, und seine dunklen, unergründlichen Augen tragen weiteres dazu bei. Seit einigen Wochen schwappt sein wachsender Ruhm auch schon nach Europa über. In Finnland beispielsweise war er bereits an der Spitze der iTunes Charts.

Manchmal versagt ihm die Stimme

Bisher hatte das Land zwei gut etablierte Sänger geschickt – Guy Sebastian und Dami Im, die im vergangenen Jahr auf dem zweiten Platz landete. Isaiah Firebrace ist dagegen ein neues Talent und wie Mauboy Aborigine. Vor allem seit der offiziellen Entschuldigung des früheren Premierministers Kevin Rudd bei den Ureinwohnern vor neun Jahren sind in Australien Bestrebungen deutlich, mehr Aborigines ins Rampenlicht zu holen. So nahm im vergangenen Jahr die 19-jährige Magnolia Maymuru als erste Aborigine beim Schönheitswettbewerb Miss World teil und Linda Burney zog als erste Ureinwohnerin für die Labor-Partei ins Repräsentantenhaus. Auch Isaiah Firebrace wird schon jetzt als eine Verkörperung des „australischen Geistes“ bejubelt – wegen seiner „Leidenschaft, harten Arbeit und Bescheidenheit“. Tatsächlich hat der 17-Jährige einige Entbehrungen hingenommen, um dorthin zu kommen, wo er heute ist. Er stammt aus Moama, einer Kleinstadt im Inneren Australiens. Rund acht Stunden Fahrt sind es von hier bis nach Sydney, knappe drei Stunden bis nach Melbourne. Vor zwei Jahren – als 15-Jähriger – hatte er schon einmal versucht, bei „X Factor Australia“ teilzunehmen, war jedoch kläglich gescheitert. Kaum auf der Bühne, konnte er sich nicht mehr an seinen Liedtext erinnern.

Firebrace gab jedoch nicht auf. Im folgenden Jahr arbeitete er hart an sich, fuhr, sooft er konnte, die drei Stunden nach Melbourne und zurück, um fünfstündige Klassen an einer Gesangsschule zu absolvieren. Sein Vater nahm dafür viele Entbehrungen auf sich: „Er hat mich mein ganzes Leben über mit meiner Musik unterstützt und das, obwohl wir nie viel Geld hatten“, sagte der junge Sänger, der sich auf R&B spezialisiert hat, in einem Interview.

Im vergangenen Jahr versuchte er dann erneut, für die beliebte Sendung vorzusingen. Doch wieder ergriff ihn auf der Bühne das Lampenfieber. Wieder waren die Worte zunächst wie weggewischt, und er war bereits in Tränen aufgelöst, als die Jury beschloss, ihm eine zweite Chance zu geben. Ihm flogen die Herzen zu. Am Ende gewann Firebrace sogar das Finale.

Später erzählte er einem Journalisten, dass er Australien gerne beim Eurovision Song Contest repräsentieren würde. „Plötzlich tauchte ich auf Listen als einer der möglichen Sänger für die Eurovision auf“, sagte Firebrace. „Dann stiegen plötzlich alle mit ein, es wuchs wie eine Lawine an, und plötzlich war es wahr.“

So geht das. Sollte Firebrace gewinnen, muss Australien mit einem europäischen Sender kooperieren. Denn im fernen Australien dürfte die Eurovision 2018 dann doch nicht stattfinden.

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