Eurowings-Flug aus Kuba : Drei Tage Verspätung

Statt am Samstagnachmittag landete ein Flug aus Kuba erst am Dienstagvormittag. Und diese Verspätung ist kein Einzelfall bei der Lufthansa-Tochter Eurowings.

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Die Entschädigungszahlungen für Verspätungen gehen bei Eurowings in die Millionen.
Die Entschädigungszahlungen für Verspätungen gehen bei Eurowings in die Millionen.Foto: Oliver Berg/dpa

Am Ende sind es satte 67 Stunden. Statt wie geplant am Samstagnachmittag landet Eurowings-Flug EW 130 aus Varadero in Kuba erst am Dienstagvormittag in Köln. Die Geschäftsführung sieht sich genötigt, sich bei der Ankunft in Köln direkt in der Maschine bei den mehr als 300 Passagieren zu entschuldigen. Denen steht jetzt eine Entschädigung von 600 Euro zu. Eurowings will einen Gutschein von 250 Euro dazulegen.
Flug EW 130 wird damit für die seit November als Billigableger der Lufthansa zu touristischen Fernzielen fliegende Eurowings mehr als ein Verlustgeschäft. Freilich: Es ist bei Weitem nicht die einzige Verspätung, die Eurowings-Jets auf den Flügen nach Kuba, Dubai, Bangkok, Phuket und Punta Cana in der Dominikanischen Republik in den ersten beiden Monaten eingeflogen haben.

Eurowings-Sprecher Heinz Joachim Schöttes zufolge kamen sieben Prozent aller Flüge fünf Stunden später oder mit noch größerer Verzögerung an ihrem Ziel an. Absolute Zahlen nennt er nicht. Die Experten von Fairplane, eines Dienstleisters für Entschädigungen bei Verspätungen, nennen viel drastischere Zahlen: In den ersten acht Wochen, seit Eurowings Anfang November an den Start ging, seien von 126 Eurowings-Flügen 31 zu spät gewesen, im Schnitt um 5,8 Stunden. Noch schlimmer sei es zwischen 26. Dezember und 5. Januar gewesen, sagt Fairplane-Sprecher Ronald Schmid. „Von 48 Eurowings-Flügen ab Köln waren 18 zu spät – und das im Schnitt um acht Stunden.“ Die Verspätungsquote von 37,5 Prozent ist dramatisch. Schon vier Prozent gilt nach Ansicht von Fairplane als problematisch.

Jede Verspätung sei eine zu viel, betont Eurowings-Sprecher Schöttes. Als Gründe nennt er Krankheiten, aber auch technische Probleme und starke Winde über dem Atlantik. Zumindest Letzteres ist aber kein neues Phänomen. Bei Flug EW 130 seien auf Kuba Triebwerksmängel festgestellt worden. Techniker vor Ort hätten ebenso wie später eingeflogene Experten das Problem nicht beheben können. Schließlich habe eine Ersatzmaschine aus Spanien beschafft werden müssen. Die betroffenen Fluggäste wurden in Hotels untergebracht, was allerdings ebenfalls nicht einfach war. Zudem durften viele, wie Fairplane-Sprecher Schmid sagt, das Hotel nicht verlassen, weil ihre Visa abgelaufen waren.

Mini-Flotte bei Engpässen überfordert

Schöttes bestreitet, dass die von Eurowings eingesetzten Airbus A 330-200 möglicherweise nicht in Ordnung seien. Tatsächlich aber gab es mit der ersten Maschine nach der Umrüstung bei Lufthansa-Technik in Hamburg während der Test-Phase auf Flügen nach Mallorca Probleme. Bei einem Flug hatte sich im Oktober eine Triebwerksverkleidung gelöst. Derzeit fliegt die Eurowings mit zwei zwölf Jahre alten, komplett überholten A 330-200 für jeweils 310 Passagiere. Bereedert werden sie von Crews von Sun-Express, einer Ferienflug-Tochter von Lufthansa und Turkish Airlines. Bei ihr liegen die Kosten um 30 bis 40 Prozent niedriger als bei Lufthansa. Dazu setzt Eurowings eine Boeing 767 von Tuifly ein. Im Mai sollen zwei weitere A 330-200 dazukommen. Dann fliegt Eurowings mit Boston, Las Vegas, Miami und Mauritius auch weitere Fernziele an.

Fairplane-Sprecher Schmid ist überzeugt, dass Eurowings derzeit einfach zu wenige Maschinen habe. Eine solche Mini-Flotte sei bei Engpässen überfordert. Statt drei wie derzeit müssten es eher sechs sein. Die Jets seien sicher, aber aufgrund ihres Alters wartungsanfälliger. „Einfach losfliegen und sagen, das klappt schon, das kann es nicht sein. Gerade bei einer Gesellschaft wie Lufthansa mit großen Erfahrungen bei Langstreckenflügen.“ Die muss dann schon mal mit eigenen Jets einspringen – wie für einen Flug von Köln nach Dubai, als kein Eurowings-Flugzeug bereitstand. Zudem gibt es nach Angaben von Schmid zu wenig Crews, sodass der Ausfall durch Krankheiten drastische Folgen habe.

Angesichts der massiven Verspätungen kommen auf Eurowings laut Fairplane allein für November und Dezember Entschädigungszahlen von etwa vier Millionen Euro zu. Trotz der Probleme ist die Buchungslage bei Eurowings, sagt Unternehmenssprecher Schöttes, sehr gut. Die Sitze in den Maschinen seien jeweils komplett belegt.

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