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Ex-Bayern-Präsident : Uli Hoeneß darf Weihnachten zu Hause verbringen

Deutschlands prominentester Häftling Uli Hoeneß hat erstmals seit Haftantritt Urlaub. Fürs Fest könnte das heißen: Weihnachtsschmaus statt Gefängniskost. Mehr noch: Anfang 2015 könnte er Freigänger werden.

Gab seinen Bayerischen Verdienstorden zurück. Uli Hoeneß.
Gab seinen Bayerischen Verdienstorden zurück. Uli Hoeneß.Foto: dpa

Urlaub, raus aus dem Gefängnis und Weihnachten nicht im Gefängnisbett schlafen. Uli Hoeneß kann an Heiligabend mit seinen Lieben zusammen sein. Was mit dem Fall vertraute Juristen erwartet hatten, ist eingetreten: Deutschlands prominentester Häftling hat nach knapp sieben Monate Haft seinen ersten Urlaub genehmigt bekommen. Kurz vor zehn Uhr kam er zu Hause an. Seine Frau steuerte den Wagen.

Hoeneß saß neben ihr. Nun kann er Weihnachten mit der Familie feiern - und vielleicht den Gefängnisalltag ein wenig vergessen. Sein Anwalt Tobias Pretsch von der Kanzlei Ufer-Knauer sowie ein Sprecher des bayerischen Justizministeriums bestätigten auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass der 62-Jährige am Mittwochmorgen zum Weihnachtsurlaub die Justizvollzugsanstalt Landsberg verlassen durfte. Weitere Angaben machten beide nicht - auch nicht über die Länge des Urlaubs.

Am 2. Juni war der wegen Hinterziehung von 28,5 Millionen Euro Steuern zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilte Fußball-Manager in die Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech eingerückt. Viel wurde seitdem spekuliert, wie der erfolgreiche Ex-Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern die Haft bewältigt. Genießt der populäre Manager, dem selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einst ihr Ohr lieh, einen Promibonus? Unter Hinweis auf die Persönlichkeitsrechte sagt das bayerische Justizministerium nicht viel über die Haftbedingungen des 62-Jährigen. Amtschef Frank Arloth ließ sich aber mal entlocken, dass Hoeneß weder ein Mobiltelefon noch Laptop zur Verfügung stünden.

Bekannt wurde auch, dass der Promi-Häftling von anderen Gefangenen weitgehend abgesondert wurde. Zu groß erschien den Behörden die Gefahr, Hoeneß könnte von Mithäftlingen bedroht werden. Erst vor gut einer Woche war ein Mann zu einer Haftstrafe verurteilt worden, der Hoeneß zu erpressen versucht hatte. Der Mann hatte im Mai in einem Drohbrief 215 000 Euro von Hoeneß verlangt und ihm andernfalls einen „unruhigen Haftverlauf“ angedroht.

Hoeneß könnte schon bald Freigänger sein

Der Urlaub des einstigen Bratwurstfabrikanten dürfte nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zurück in ein normales Leben sein. Einige Tage kurzen Ausgang zusammen mit der Familie hat Hoeneß schon hinter sich. Entscheidender dürfte der nach dem Jahreswechsel erwartete Freigängerstatus sein. Hoeneß könnte das Gefängnis dann jeden Morgen verlassen und arbeiten gehen.

Der FC Bayern wartet auf dem Münchner Vereinsgelände an der Säbener Straße schon auf ihn. „Es war sein eigener Wunsch, im Nachwuchsbereich zu arbeiten“, sagte Bayern-Präsident Karl Hopfner schon im November. Und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ergänzte am vergangenen Samstag im ZDF-„Sportstudio“ über den einstigen Bayern-Präsidenten: „Ab Anfang Januar kommt er zum ersten Mal her, wird dann im Nachwuchs tätig sein.“ Nach getaner Arbeit müsste Hoeneß abends zwar wieder zurück in seine Zelle. Dies muss aber nicht zwangsläufig das Landsberger Gefängnis sein. Infrage kommen auch die Außenstelle Rothenfeld nahe dem Starnberg See oder ein Gebäude in München. Doch erst einmal stand Weihnachten mit den Lieben an.

Am 5. Januar 2015 wird Uli Hoeneß 63. Es könnte sein, dass er dann schon Freigänger ist. Gibt er sich reumütig und wird die Hälfte seiner Strafe zur Bewährung ausgesetzt, könnte Hoeneß im Frühjahr 2016 dann ein freier Mann sein.

Uli Hoeneß gab Verdienstorden auf Druck der Staatskanzlei zurück

Bereits Anfang September hat Hoeneß seinen Bayerischen Verdienstorden an die Staatskanzlei in München zurückgeben lassen. Das sagte Hoeneß-Anwalt Michael Nesselhauf am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Er stellte zugleich klar, dass der Ex-Präsident des FC Bayern München damit keineswegs auf Distanz zu Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und anderen Politikern habe gehen wollen.

Ausschließliches Motiv sei vielmehr gewesen, dass die Staatskanzlei eine Rückgabe angeregt habe. Nur wenige Wochen nach Hoeneß' Haftantritt habe die Staatskanzlei in einem Telefonat mit einem der Verteidiger erklärt, es gebe eine Art ungeschriebenes Gesetz: Wer zu einer Strafe ohne Bewährung verurteilt worden sei, müsse den Verdienstorden zurückgeben. Daraufhin entschied Uli Hoeneß nach Angaben seines Anwalts die Auszeichnung durch seine Frau und seine Kinder an Seehofer persönlich zurückzugeben. Auf Vorschlag des Ministerpräsidenten habe es dann am 8. September das Treffen gegeben. (dpa)

Einen Beitrag über über Uli Hoeneß' Gewinne bei Börsengeschäften finden Sie hier.

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