Ex-Formel1-Weltmeister : Der Coup der Familie Schumacher

Heimlich verließ Michael Schumacher die Klinik in Grenoble. Ein echter Streich, den RTL mit einer Sondersendung belohnte. Dabei wünscht man dem Ex-Formel1-Fahrer nur eins: eine ruhige Genesung.

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Michael Schumacher, Ehemann, zweifacher Vater und siebenfacher Weltmeister, kann sich nun im Kreis seiner Familie erholen.
Michael Schumacher, Ehemann, zweifacher Vater und siebenfacher Weltmeister, kann sich nun im Kreis seiner Familie erholen.Foto: dpa

Darf man sich als Journalist freuen, wenn anderen ein Coup gegen die Presse gelingt? In diesem Fall, finde ich, schon. Denn Michael Schumacher ist nicht nur aus dem Koma erwacht, sondern seine Familie hat es auch noch geschafft, ihn aus Grenoble zur Reha nach Lausanne wegbringen zu lassen, ohne dass es irgendjemand gemerkt hat, ohne den quälenden Voyeurismus von Live-Tickern und Live-Fotografen. Einfach so!

Statt Diskretion eine Sondersendung bei RTL

Erst einmal: Das Ereignis an sich ist ein Grund zur Freude. Niemand muss ein Fan des kreisförmigen lauten Autofahrens sein, um mit dieser Familie zu leiden und den ungeheuren emotionalen Absturz zu beklagen, der mit diesem so beiläufigen Skiunfall verbunden war. Einer der am meisten privilegierten, am meisten beneideten Menschen der Welt im Koma, mehr tot als lebendig – das war natürlich ein Ereignis, das Millionen bewegte. Und als solches selbstverständlich in die Nachrichten gehörte. Aber wie lange? Und wie lange ist es legitim, Lesern und Zuschauern immer wieder mit den albernsten Wortgirlanden mitzuteilen, dass es nichts Neues gebe?

Eine in diesen sechs Monaten ständig wiederkehrende Äußerung lautete: Schumachers Managerin bitte darum, die Privatsphäre der Familie zu respektieren. So auch gestern. „Für die Zukunft bitten wir um Verständnis, dass seine weitere Rehabilitation außerhalb der Öffentlichkeit erfolgen soll.”

Das Ergebnis: Ein paar Stunden später kündigte RTL eine Sondersendung an. Es gehört wenig Fantasie dazu, vorauszusehen, was zeitgleich rund um die Uniklinik in Lausanne passieren wird: Fotografen rangeln um die vermeintlich besten Plätze vor dem Krankenhaus, Reporter machen sich wichtig mit Spekulationen in Richtung Kamera.

Verkleiden spielen als Brieftaube

Ganz sicher wird auch der eine oder andere Investigationsexperte versuchen, als Oberarzt oder auch als Brieftaube verkleidet in die Nähe des Krankenbetts und zum so genannten „Abschuss“ zu kommen. Für so etwas gibt es heute Ärger mit dem Presserat oder einen Journalistenpreis oder beides, das lohnt den Versuch auf jeden Fall.

Es wird also sicher nur ein paar Tage dauern, bis ein Schatten auf einem unscharfen Bild angeblich Schumacher darstellt. Irgendein Quacksalber wird uns sodann mitteilen, dass er sicher bald wieder Auto fahren könne, oder auch nicht. Dabei kommt es eigentlich nur darauf an, dass er wieder auf die Beine kommt, inmitten seiner Familie. Was hiermit herzlich gewünscht sei.

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