• Experte meint, Beilmord sei Folge von Hoffnungslosigkeit - Verzweiflungstaten nehmen zu

Welt : Experte meint, Beilmord sei Folge von Hoffnungslosigkeit - Verzweiflungstaten nehmen zu

Das blutige Familiendrama in Zwintschöna in Sachsen-Anhalt ist nach Ansicht des Sozialexperten Michael Chrapa eine Folge von zunehmender sozialer Frustration und Hoffnungslosigkeit. "Ich könnte eine Reihe von Familien aufzählen, da sehe ich eine üble Gefahr für die Zukunft", sagte der Leiter der Forschungsarbeitsgemeinschaft für Konflikt- und Sozialstudien e.V. (Fokus) in Halle am Freitag.

"In Ostdeutschland verschärfen sich die sozialen Konflikte auf Grund der hohen Arbeitslosigkeit seit etwa 1995", sagte Chrapa. In Westdeutschland werde diese Entwicklung in etwa fünf bis sieben Jahren eintreten. "Die meisten der Betroffenen sind noch ruhig und betäuben ihre Ohnmacht mit Alkohol und Fernsehen." Aber die Tendenz, sich aus der hoffnungslosen Situation mit Verzweiflungstaten nach dem Muster von Zwintschöna zu befreien, steige an, sagte Chrapa. "Besonders betroffen ist die Gruppe der 40 bis 45-jährigen." Die Betroffenen stünden vor der Situation: "Verlier ich meine Arbeit, habe ich kaum Möglichkeiten einen neuen Job zu bekommen. Gleichzeitig habe ich aber noch 30 Jahre zu Leben."

Der geständige Familienmörder von Zwintschöna bei Halle ist weiterhin selbstmordgefährdet und bleibt unter ärztlicher Beobachtung. Auf Empfehlung eines Psychiaters sei er nach Erlass des Haftbefehls von Halle in das sächsische Haftkrankenhaus Leipzig-Meusdorf verlegt worden. Der 42-jährige Familienvater hatte am Donnerstagabend gestanden, seine Frau und seine vier Kinder mit einem Beil erschlagen zu haben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar