Welt : Expo 2000: Heuschreck, lass nach!

Arne Boecker

Erst rupft Mathias Westhuis die Flügel raus, dann amputiert er die Schenkel. Schließlich schwenkt er die armen Dinger in einer ölgetränkten Pfanne und gibt reichlich Knoblauch hinzu. "So einen richtigen Eigengeschmack", sinniert der Koch, "haben sie nämlich nicht, meine Heuschrecken."

Die Expo bietet eine Menge Mutproben. Jeden Dienstag von 11 bis 12 Uhr brät der dem "Gettopardo" in Hannover entliehene Koch "saltatoria" aus der Sahelzone. Gemeint ist der Gemeine Heuschreck. Die knackige Mahlzeit sorgt in Halle 6, die der "Ernährung" gewidmet ist, regelmäßig für Menschen-Aufläufe. Die Horden linsen Westhuis mit einer Mischung aus Angst und Lust in die Pfannen. Nach ein paar Minuten sind die "Krabben der Lüfte", deren quicklebendige Verwandte in diesen Tagen gerade Südsibirien leerraspeln, auf mundliche Portionen geschrumpelt. "Sehr gesund!", preist Westhuis das Pfannenmahl. "Viel Eiweiß!"

Wie aber ist das denn nun mit dem Eigengeschmack? Nun, Insekten essen ist ein bisschen wie an einem sehr knusprigen, aber ziemlich fleischarmen Hühnerknochen nagen. Eine Schülerrunde zählt zu den Glücklichen, die was abbekommen von der begehrten Tafel. "Eins, zwei, drei!", zählen sie sich Mut an und zermahlen die Tierchen dann todesmutig mit den Kiefern. Und tatsächlich: Sie überleben! Das ist um so erstaunlicher, da das deutsche Lebensmitteltechniker die flächendeckende Verbreitung des Heuschrecksnacks verhindern. "Ein bisschen Senfdip vielleicht?", fragt Mathias Westhuis. Beim letzten Mal hat er den Geradflügler à la caramel angeboten. Manche ließen sich die Heuschrecken sogar einpacken - um Oma zu erschrecken?

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