Welt : Expo 2000: Seifenblasen (Glosse)

Arne Boecker

40 Millionen Menschen: Das sind 265 000 an jedem der 153 Tage zwischen dem 1. Juni und dem 31. Oktober. In den ersten sechs Wochen hat die Expo aber lediglich 80 000 Menschen auf das Gelände im Süden Hannovers ziehen können. In den Hinterköpfen rattern jetzt die Registrierkassen, die das Defizit hochzurechnen versuchen: Eine Milliarde? Zwei Milliarden? - Wer bietet mehr? Die Regierungen in Berlin und Hannover halten allerdings schön stille. Abgerechnet, so klingt es aus den Kabinetten, wird nach dem 31. Oktober.

Den Expo-Chefs zerbröselt gerade der letzte Pfeiler, der das Haus namens "Weltausstellung" stützt. Während der Aufsichtsratssitzung vor wenigen Tagen bestritten sie noch heftig, dass die Zahl von 40 Millionen Tickets illusorisch ist, obwohl dies angesichts der bisherigen Besucherflaute jeder nachprüfen kann, der das kleine Einmaleins beherrscht. Am Wochenende nun trat Generalkommissarin Birgit Breuel den ungeordneten Rückzug an: Nein, sie seien wohl nicht mehr zu schaffen, die gewünschten 40 Millionen.

Die 40 Millionen gehören in eine lange Reihe von Planungen und Zahlen zur Expo 2000, die allesamt geplatzt sind wie Seifenblasen. Kaum jemand hat sich im Sommer 1999 einen Tag im Sommer 2000 ausgesucht, an dem er zur Expo fährt; wenige sahen die Notwendigkeit, einen Parkplatz vorzubuchen. Die Sonntage, die eigentlich überlaufen sein sollten, reißen tiefe Löcher in die Besucherstatistik. Die Expo-Macher haben eine ideale Welt imaginiert, in der sich die Menschen so verhalten, wie sie, die Weltenlenker, es sich wünschen. Es ist anders gekommen.

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