• Expo-Recherchereise: Ein Blick in die Reisetagebücher: Impressionen aus Lanzarote

Welt : Expo-Recherchereise: Ein Blick in die Reisetagebücher: Impressionen aus Lanzarote

Acht Tage lang erkundeten Tagesspiegel-Leser die Insel Lanzarote - und neben dem Expo-Projekt natürlich auch Leben, Land und Leute. Hier Auszüge aus den Recherchetagebüchern der Teilnehmer.

Auf Seefahrt mit Garampin

Zur Begrüßung blökt und röhrt es uns entgegen. Kurz darauf finden wir uns in gefährlich schwankenden Zweiersitzen auf den Rücken der Dromedare wieder. Jetzt werden wir nur noch schnell angeschnallt, dann ruckt mein Dromedar, und ich finde mich in Schräglage wieder. Schunkelnd und schwankend geht es los. Aber vom Erkunden der Montanas del Fuego kann keine Rede sein. Eine kleine Runde traben die Tiere auf einer durch unzählige vorherige Touren getrampelten Strecke - und schon kommen wir wieder am Ausgangspunkt an. Doch bevor wir weiterfahren, lassen wir uns die Chance nicht entgehen, uns mit dem Dromedarführer zu unterhalten. So erzählt uns Marcial, dass er seit sechs Jahren im Geschäft ist. Mit 20 stieg er in den Familienbetrieb ein, jetzt besitzt er sechs eigene Dromedare. Wir wurden zum Beispiel von Garampin und Carbom getragen. Ob ihm die die Arbeit gefällt, wollen wir zum Schluss noch wissen. "Es ist eine gute Arbeit", antwortet er diplomatisch. Susanne Ozegowski

Der große Cäsar der Vulkaninsel

"Ich will die Natur in unser ganzes Leben miteinbeziehen", ist unter dem Foto der wohl bekanntesten Person Lanzarotes zu lesen. Der Künstler César Manrique steht leicht bekleidet zwischen Farbeimern und großen Leinwänden. Ein Profilneurotiker, fällt uns auf, als wir in dem Fotokatalog blättern. Der große Cäsar der Insel ließ sich ein zweigeschossiges Haus mitten in den Lavastrom bauen, der sich infolge der Vulkanausbrüche 1730 bis 1736 über die Insel ergoss. Seit 1992 befindet sich hier die Fundacion César Manrique, die wir am letzten Ausflugstag besuchen. Von der großen Fensterfront aus, die den Eingangsraum mit Licht durchflutet, erschließt sich die wundervolle Vulkanlandschaft. Manrique hat auch in fünf Lavablasen nach oben hin offene Wohnräume eingerichtet. Helle Ledersofas im 70er-Jahre-Pop fügen sich in den runden Bau. Leises Plätschern eines kleinen Brunnens, schlangenähnliche Pflanzen ragen an der Mauer entlang. Amüsiert rätseln wir über das Privatleben des merkwürdigen Künstlers. Wir sollen bitte nicht schreiben, dass er vermutlich schwul war, bittet uns die Reiseführerin. Wir haben damit kein Problem. Andrea Nienhaus

Wein im Schleudergang

Mitten in der Vulkanwüste stoppt unser Bus an einer Weinkellerei. In der Bodegas la Geria werden wir vom Geschäftsführer durch die Lagerhallen mit hölzernen Rotweinfässern und Metallbehältern für den Weißwein geführt. Besonders interessant fand ich ein Gerät, das wie eine Waschmaschine aussah, in der aber der Saft aus den Weintrauben geschleudert wird. Es werden pro Jahr etwa 350 000 Liter Weiß- und Rotwein produziert. Der Wein wird in vielen kleinen Bodensenken in der Vulkanasche Picon angebaut, die die Feuchtigkeit aus der Luft speichert. Nach der Führung sind wir noch in das kleine Lokal der Bodegas gegangen und haben den Rotwein probiert. Sebastian Richter

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