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Fall Jenisa in Hannover : Mutter von getötetem Kind bricht während Prozess zusammen

Acht Jahre musste die Mutter der getöteten Jenisa auf den Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder warten. Zum Auftakt beantragt die Verteidigung die Einstellung des Verfahrens - zu viel für die Frau.

Like Muja (l) und Juliano Muja, die Eltern der getöteten Jenisa, sitzen am Dienstag im Landgericht in Hannover. Ein 44-Jähriger Angeklagter soll 2007 die achtjährige Jenisa aus Hannover getötet haben.
Like Muja (l) und Juliano Muja, die Eltern der getöteten Jenisa, sitzen am Dienstag im Landgericht in Hannover. Ein 44-Jähriger...Foto: dpa

Dramatischer Auftakt im Mordprozess um den Tod der kleinen Jenisa in Hannover: Acht Jahre nach dem Verschwinden der damals Achtjährigen hat am Dienstag der Prozess gegen einen 44-Jährigen begonnen, den die Fahnder von Anfang an im Visier hatten. Der Mann ist angeklagt, die Nichte seiner damaligen Lebensgefährtin in sein Auto gelockt, in einen Wald gefahren und dort sexuell missbraucht und getötet zu haben. Jenisas Leiche wurde erst im Herbst 2014 entdeckt. Nachdem die Verteidigerin gleich zu Beginn die Einstellung des Verfahrens beantragte, brach die Mutter zusammen und musste von Sanitätern versorgt werden. Sie kam in eine Klinik.

Weil die Mordermittlungen gegen den Angeklagten früher schon einmal erfolglos eingestellt wurden, könne die Justiz nicht erneut gegen den Mann vorgehen, argumentierte die Verteidigerin. Das Schwurgericht wies den Einwand allerdings nach kurzer Beratung als unbegründet ab. Der Mann war von Anfang an der Hauptverdächtige, kam aus Mangel an Beweisen seinerzeit aber nach wochenlanger Untersuchungshaft frei. Erst nachdem er im vergangenen Jahr für den Mord an dem fünfjährigen Dano in Herford verurteilt wurde, rückte er wieder in den Fokus der Ermittler. Mitgefangenen soll er das Waldstück benannt haben, in dem Fahnder vor einem Jahr das Skelett des Kindes fanden. Wie schon bei der Polizei schwieg der Angeklagte zu Prozessauftakt zu den Vorwürfen und verweigerte jegliche Angaben auch zu seiner Person. Er vermied jeden Blickkontakt mit Jenisas Eltern und weiteren Familienmitgliedern. Bei der Verlesung der Anklage schluchzte Jenisas Mutter im Gerichtssaal laut auf und folgte den Schilderungen mit schmerzverzerrtem Gesicht. Kurz darauf brach sie zusammen.

„Eigentlich mochte er uns von Anfang an nicht, weil wir Roma sind.“

Jenisa verschwand am 7. September 2007 auf dem Weg zu einer Tante, die aber nicht zu Hause war. Im Fahrstuhl des Hochhauses sah eine Frau das Mädchen noch, dann verlor sich die Spur. An einer Autobahn bei Wunstorf gefundene Kleidung deutete auf ein Verbrechen hin. Der nun Angeklagte verstrickte sich damals in Widersprüche, kam später aber wieder frei. Er war zwar in der Nähe der Kleidung gewesen, Zeugen hatten Jenisa in einem Wagen gesehen, der seinem Auto glich - doch nachgewiesen werden konnte ihm das Verbrechen damals nicht. Als Motiv für das Verbrechen kam am Dienstag wie schon in dem Bielefelder Verfahren zum Fall Dano Rache zur Sprache. Die Familie seiner Ex-Partnerin, Roma aus Albanien, habe ihn immer wieder gedemütigt, soll der aus der Türkei stammende Angeklagte den Mithäftlingen erzählt haben.

Aus Rache habe er deswegen Dano getötet, der ebenfalls zur Volksgruppe der albanischen Roma gehörte - und auch Jenisa soll er deswegen umgebracht haben. Darauf als Zeuge angesprochen, sagte Jenisas Vater am Dienstag vor Gericht: „Eigentlich mochte er uns von Anfang an nicht, weil wir Roma sind.“ Nun steht dem Mann ein Indizienprozess bevor. Das Gericht muss prüfen, inwieweit es den Angaben der Mitgefangenen Glauben schenkt. Das Strafmaß liegt bei einem zweiten Mord in der Summe zwar weiter bei einer lebenslangen Haft. In dem Prozess kann aber die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden, was eine Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließt. (dpa)

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